Irgendjemand hat mir vor Jahren mal
erzählt, dass er auf einem The Locust Konzert gesehen hat, daß die
Band als Merchandise Koksspiegel mit ihrem Logo darauf verkauft hat.
Das fand ich damals schon seltsam. Da ich aber sowieso nie viel mit
dieser Band anfangen konnte (ganz im Gegensatz zum Nebenprojekt
Tristeza), hatte ich das Ganze auch ziemlich schnell wieder
vergessen.
Warum
mir das jetzt gerade wieder einfällt? Nun, das Labelinfo zu „Love
in the fascist Brothel“ erwähnt The Locust als Tourpartner von
TPTBUTE und außerdem kommen die auch aus San Diego. Und so wie
diese Platte klingt, haben die Jungs wohl tonnenweise Koks von the
Locust Spiegeln geschnupft (wenn die Geschichte denn stimmt) und
dazu ordentlich Dead Kennedys und Swing Kids gehört. Es gibt
absolut abgefahrenen,chaotischen und rotzigen Chaos Rock mit debilen
Texten.
Der
Wahnsinn beginnt schon beim Coverartwork, auf dem sich gemalte Nazis
mit Brüsten, Kühe in Strapsen und die gemalte Band zwischen Rosen
tummeln. Das könnte vielleicht lustig sein, wenn es nicht so
penetrant geschmacklos wäre.
Das
setzt sich in den Songs fort. TPTBUTE rumpeln und scheppern zehn
Songs in knapp 24 Minuten runter, ohne, daß man das Gefühl hat,
auch nur eine frische Idee herauszuhören. Zum einen ist dabei die
Produktion so was von Lo-Fi, daß man zeitweise das Gefühl hat, die
Band sei vom Nebenzimmer aus aufgenommen worden, während sie auf
Geschirr ihre Songs eindrischt. Zum anderen ist das, was hier
fabriziert wurde, so anstrengend anzuhören. Mal wird Geknüppelt,
mal im Midtempo vor sich hin gebolzt und über allem hängen sägende
Gitarren und ein dilletantisch quäkendes Saxophon (oder Orgel, oder
irgendwas anderes...). Daß die Herren ihr Handwerk eigentlich
verstehen, erkennt man zwar an teilweise gut gespielten Instrumenten
und komplexem Aufbau der zehn Songs. Aber da scheint jedoch das
Image als „sexy Müllpunkband“ wichtiger zu sein und
dementsprechend dominiert Gerumpel vor sauber gespielten Parts.
Auch
das Gesamtkonzept der Platte, Nazisymbolik auf eine besonders sexy
Art und Weise zu karikieren (TPTBUTE sind bei aller Kritik definitiv
KEINE Band, die mit solchen Symbolen
verbundene Gedanken verherrlicht!!!), finde ich persönlich
aufgesetzt und geschmacklos. Songtitel wie „Reichstag Rock“,
„Lipstick SS“ und „Rattus über Alles“ in Verbindung mit dem
Artwork, wirken nach kurzer Zeit einfach nur plump, es fehlt, wie
bei der Musik, an wirklich originellen Ideen und böser Satire.
Auch
auf die Gefahr hin, die 'Genialität' dieser Band misszuverstehen:
ich glaube, das große Problem der Platte liegt letztendlich in
genau dieser mangelnden Kreativität. Sowohl Musik als auch Artwork
und Konzept wirken unglaublich an ein Image angepasst. Und sowas
haben große Vertreter solchen Psychocores einfach nicht nötig...
3/12
Punkte
1.
Reichstag Rock
2.
Exile on Vain Street
3.
Love in the Sex Prison
4.
Vulture Control
5.
Rattus Uber Alles
6.
Drake the Fake
7.
Angry, Young and Rich
8.
Lipstick SS
9.
Lawnmower Love
10.
SLC Hunks
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