Phoenix
Mourning sind ein noch völlig unbeschriebenes Blatt, jedoch mit
der Ambition die weiße Leere mit Emotionen in blutrot zu füllen.
Das hat auch MetalBlade interessiert, und so veröffentlichen
die Jungs jetzt ihr erstes Album mit jeder Menge Rückenwind.
Musikalisch springen sie auf den nächstbesten Zug auf, der
nach Metalcore wohl Sreamo/Metal à la My Chemical Romance sein
wird.
Trotz
dem großen Label im Rücken und der glasklaren Produktion des
Albums - aus der Hand von Tom und Jim Morris (Marilyn Manson,
Sepultura) - merkt man der Platte sofort an, dass Phoenix Mourning
eine sehr junge Band sind. Sie sind technisch nicht unbedingt
versiert und ungestüm, aber an welche junge Band mag man da große
Erwartungen stellen? Phoenix Mourning möchten auch viel lieber
Gefühl zeigen, was ihnen auch gelingt. Sogar so gut, dass ihr
erstes Album direkt trieft vor Emotionalität. Dazu trägt vor
allem der hymnische Gesang von Vokalist Jeremiah Ruff bei. Shouts
werden nur am Rande eingesetzt und dann auch nur unterstützend,
sie sind nicht das beherrschende Instrument und sollen es auch
nicht sein. Das gleiche gilt auch für die Musik: Nicht aggressiv
soll sie klingen, sondern melodisch. Dies wird schon beim Opener
„Across Twenty-Six Winters“ deutlich. Unmittelbar setzt der
Gesang ein und schwebt über dem metallischen Sound. Zügig, aber
nicht so, dass es stören würde. Dazwischen Breaks, sanfte
Gitarrenlinien, wieder Geschrei, wieder Gesang, ein ständiges Auf
und Ab, das sich bis zum Ende des Albums hält. Insgesamt bricht
kein Song aus diesem Schema aus, wobei aber „From Afar“ gern
als Anspieltip herhalten darf. Songs schreiben können Phoenix
Mourning, das muss man ihnen lassen.
Dieses
Album erweckt in einem das Gefühl, einen fremden Liebesbrief zu
lesen, einen über das Leid des Zurückgewiesenwerdens, den
Schmerz der Trennung und die Kälte des Alleinseins. Jede Emotion
kann man dem Schreiber nachempfinden, aber dennoch bleibt es eine
fremde Emotion, es ist nicht das eigene Gefühl. Und so wirkt auch
dieses Album wie etwas Uneigenes. Ohne Frage fließt hier das
Herzblut der fünf jungen Musiker, aber nicht das des Hörers.
8/12