Neuraxis - Trilateral Progression
Neuraxis - Trilateral Progression (Earache Records)
review by henny

 

Nach 3 Alben und deren Re-Release „Truth Beyond/ Imagery/ A Passage Into Forlorn“ auf einer Platte im letzten Jahr schieben Neuraxis gleich ein neues Album hinterher. „Trilateral Progression“ heißt das gute Stück, das in Kanada und den Staaten bereits auf diversen Shows u.a. mit Misery Index vorgestellt wurde. So wie eben genannte sind auch Neuraxis ein Paradebeispiel für kanadischen Grind/Death Metal, der sich dort großer Beliebtheit erfreut und wegen örtlichen Mangelerscheinungen gern nach Europa exportiert wird.

„Trilateral Progression“ beginnt mit einem elektronisch gehaltenen „Introspect“ das ein bisschen das Gefühl der Ruhe vor dem Sturm aufkommen lässt. Für einen Moment ist es still, der Himmel überzieht sich mit dunklen Wolken, kein Lüftchen regt sich, und dann bricht das Unwetter los, so schnell, dass man mit dem Hörern kaum hinterherkommt. „Clarity“ beginnt schnell, wechselt dann in ein moderateres Tempo, spielt kurz ein Black Metal artiges elektronisches Zwischenspiel ein und beginnt dann wieder gnadenlos zu holzen. Der nachfolgende Song „Thought Adjuster“ hat ebenfalls ein kleines Intro. Danach geht es langsam weiter, mit tiefen Growls und sägenden Gitarrenlinien. Auch als sich das Tempo langsam erhöht bleiben Neuraxis vergleichsweise freundlich - zwischendurch streuen sie diverse Gitarrensoli ein und überhaupt geben sie sich ungewohnt melodisch. Noch vielschichtiger wird das Stück durch die zusätzlichen Back Vocals, für die in diesem Fall ganze drei Leute verantwortlich sind. Auch über die nächsten Songs „Shatter The Wisdom“ und Monitoring The Mind“ verteilen sich wieder diverse Gastsänger. Gleichzeitig verfestigt sich spätestens an dieser Stelle der Eindruck, dass Neuraxis sich vom unbarmherzigen Geholze früherer Tage zumindest teilweise lösen wollen. Die zeitweise sehr melodischen Gitarrenlinien und schon fast filigranen Spielereien zwischen dem Geknüppel stechen einfach zu sehr ins Auge, als dass man sie abtun könnte. Hier haben sich Neuraxis eindeutig vorgenommen, etwas Neues zu probieren und man muss neidlos gestehen, dass ihnen das zunächst auch gelingt.Leider fällt die Ausgewogenheit, die gerade „Thought Adjuster“ zu Eigen war, zum Ende des Albums ab und die letzten Songs rauschen eher durch. Etwas mehr Konsequenz hätte an dieser Stelle gut getan, aber so verfallen Neuraxis wieder in die alte Stumpfheit mit nur noch selten durchbrechenden melodiösen Gitarren. Wirkliche Höchstform bietet die Band nur noch auf dem letzten Song „The Apex“. Auch wieder mit Intro, Gastsänger, Melodiosität und dazu einem Outro ist das Stück üppig ausgestattet und pendelt sehr gekonnt zwischen Grind, Death und Black Metal hin und her. Was dieses Unwetter am Ende leider etwas zwiespältig werden lässt ist keinesfalls die Musik, sondern Cover und Lyrics. Beides wirft mit metaphysischen Aussagen nur so um sich und ich bin bereits versucht, Sänger Ian als Sektenopfer zu bemitleiden.

Trotz des Hängers in der Mitte des Albums und den etwas befremdenden Aussagen muss ich mir doch eingestehen, dass ich „Trilateral Progression“ ziemlich mag. Neuraxis haben gute Arbeit abgeliefert und es bleibt für das nächste Album nur zu hoffen, dass sie ihre Ideen mit mehr Mut umsetzten.

 

9 /12