Ich
muss schon sagen, daß Modern Life is War für mich zu den
absoluten Überraschungen dieses Frühjahrs gehören. Nachdem ich
lange überhaupt nichts mit ihnen anfangen konnte und dem Namen
nach auch eher eine weitere Bollo-Band erwartet habe, war ich dann
doch begeistert von dem druckvollen Hardcore-Sound, der schon das
Debut „My Love, my Way“ auszeichnete und davon, daß die Jungs
live tatsächlich überhaupt nicht Bollo, sondern sehr sympathisch
rüberkommen. Und auch, wenn man sonst sehr skeptisch gegenüber
Bands ist, die einer Gruppe von 100 gleichangezogenen
Hardcorekonzertgängern unter Beifall sagen, daß es beim Hardcore
um Individualität geht, MLIW scheinen es da ernst zu meinen
(siehe auch unser Interview). Aber das nur am Rande…
Das
neue Album „Witness“ ist jetzt jedenfalls erschienen und
protzt direkt mit Empfehlungen. Produziert hat Kurt Ballou
(Converge), was dazu führt, daß die Platte wirklich sehr
angenehm zu hören ist. Es wäre falsch zu sagen, der Sound wäre
fett. Dafür ist es Ballou gelungen, durch einen sehr
mittenlastigen, fast rockigen Sound, eine Menge Details, wie eine
zweite Gitarre hier und da, oder eine Basslinie, zu betonen. Nur
die Drums fallen mir negativ auf, da sie sehr synthetisch klingen.
Das
Cover hat Jake Bannon gestaltet. In silber-schwarz sind als
Konzept Archivbilder aus der Heimatstadt von MLIW zu sehen,
Marshalltown, die mit Wort- und Textfetzen unterlegt sind. Ist
denke ich Geschmackssache, mir ist das zu unübersichtlich.
Böse
Zungen könnten behaupten, daß jeder MLIW Song ein prima Intro
bei einer anderen Band abgäbe. Ich finde jedoch, daß es momentan
keine HC-Band gibt, die derartig inszenierte Hymnen abliefert wie
MLIW, wobei es wohl durchaus so ist, daß das live besser wirkt,
als auf Platte. Entscheidend ist hierfür sicherlich das
schleppende Tempo, daß Songs wie den Opener „The Outsiders“
zu absoluten Hits für jeden Moshpit werden lässt.
Zugegeben, die Songs sind einfach arrangiert, aber das
Riffing ist so rotzig und herzzerreißend, daß das schon in
Ordnung geht. Insgesamt scheint es mir auch, daß man etwas
verspielter an die Sache herangegangen ist als bei den früheren
Songs, die zweite Gitarre spielt öfter gegenläufig, was die
Songs etwas fülliger wirken lässt und Ansätze von Gitarrensoli
lassen sich auch erkennen, was zusätzlich Schwung verleiht,
obwohl sich auch „Witness“ hauptsächlich im Mid-Tempobereich
abspielt. Herausstechend ist hier „John and Jimmy“, der nach
einem Hochgeschwindigkeitsanfang in einen seltsam vertrackten
Rhythmus kippt, der an Snapcase oder vor Allem spätere Breach
erinnert.
Insgesamt
bleibt jedoch auch hier der Eindruck eines eher einfach
strukturierten Albums von einer Band, der es wichtig ist, daß die
Leute bei Konzerten sich in einer Traube um den Sänger scharen,
um die Texte mitzuschreien, die von Jugend, Abschied und persönlichen
Erfahrungen handeln (das ist ja fast schon Youth Crew). Also,
leider keine überragende Platte für zu Hause, aber ich freue
mich schon drauf, wenn die Band die Songs das nächste Mal hier
live spielt!
8/12
1.
The Outsiders (A.K.A Hell is for Heroes Part I)
2.
Martin Atchet
3.
John and Jimmy
4.
Marshalltown
5.
D.E.A.D.R.A.M.O.N.E.S.
6.
Young man on a Spree
7.
I’m not ready
8.
Young Man Blues
9.
Hair Raising Accounts of restless Ghosts (A.K.A. Hell is
for Heroes Part II)