Modern Life Is War - Witness
Modern Life Is War - Witness review by florian

 

Ich muss schon sagen, daß Modern Life is War für mich zu den absoluten Überraschungen dieses Frühjahrs gehören. Nachdem ich lange überhaupt nichts mit ihnen anfangen konnte und dem Namen nach auch eher eine weitere Bollo-Band erwartet habe, war ich dann doch begeistert von dem druckvollen Hardcore-Sound, der schon das Debut „My Love, my Way“ auszeichnete und davon, daß die Jungs live tatsächlich überhaupt nicht Bollo, sondern sehr sympathisch rüberkommen. Und auch, wenn man sonst sehr skeptisch gegenüber Bands ist, die einer Gruppe von 100 gleichangezogenen Hardcorekonzertgängern unter Beifall sagen, daß es beim Hardcore um Individualität geht, MLIW scheinen es da ernst zu meinen (siehe auch unser Interview). Aber das nur am Rande…

Das neue Album „Witness“ ist jetzt jedenfalls erschienen und protzt direkt mit Empfehlungen. Produziert hat Kurt Ballou (Converge), was dazu führt, daß die Platte wirklich sehr angenehm zu hören ist. Es wäre falsch zu sagen, der Sound wäre fett. Dafür ist es Ballou gelungen, durch einen sehr mittenlastigen, fast rockigen Sound, eine Menge Details, wie eine zweite Gitarre hier und da, oder eine Basslinie, zu betonen. Nur die Drums fallen mir negativ auf, da sie sehr synthetisch klingen.

Das Cover hat Jake Bannon gestaltet. In silber-schwarz sind als Konzept Archivbilder aus der Heimatstadt von MLIW zu sehen, Marshalltown, die mit Wort- und Textfetzen unterlegt sind. Ist denke ich Geschmackssache, mir ist das zu unübersichtlich.

Böse Zungen könnten behaupten, daß jeder MLIW Song ein prima Intro bei einer anderen Band abgäbe. Ich finde jedoch, daß es momentan keine HC-Band gibt, die derartig inszenierte Hymnen abliefert wie MLIW, wobei es wohl durchaus so ist, daß das live besser wirkt, als auf Platte. Entscheidend ist hierfür sicherlich das schleppende Tempo, daß Songs wie den Opener „The Outsiders“ zu absoluten Hits für jeden Moshpit werden lässt.  Zugegeben, die Songs sind einfach arrangiert, aber das Riffing ist so rotzig und herzzerreißend, daß das schon in Ordnung geht. Insgesamt scheint es mir auch, daß man etwas verspielter an die Sache herangegangen ist als bei den früheren Songs, die zweite Gitarre spielt öfter gegenläufig, was die Songs etwas fülliger wirken lässt und Ansätze von Gitarrensoli lassen sich auch erkennen, was zusätzlich Schwung verleiht, obwohl sich auch „Witness“ hauptsächlich im Mid-Tempobereich abspielt. Herausstechend ist hier „John and Jimmy“, der nach einem Hochgeschwindigkeitsanfang in einen seltsam vertrackten Rhythmus kippt, der an Snapcase oder vor Allem spätere Breach erinnert.

Insgesamt bleibt jedoch auch hier der Eindruck eines eher einfach strukturierten Albums von einer Band, der es wichtig ist, daß die Leute bei Konzerten sich in einer Traube um den Sänger scharen, um die Texte mitzuschreien, die von Jugend, Abschied und persönlichen Erfahrungen handeln (das ist ja fast schon Youth Crew). Also, leider keine überragende Platte für zu Hause, aber ich freue mich schon drauf, wenn die Band die Songs das nächste Mal hier live spielt!  

 

8/12

1.        The Outsiders (A.K.A Hell is for Heroes Part I)
2.        Martin Atchet
3.        John and Jimmy
4.        Marshalltown
5.        D.E.A.D.R.A.M.O.N.E.S.
6.        Young man on a Spree
7.        I’m not ready
8.        Young Man Blues
9.        Hair Raising Accounts of restless Ghosts (A.K.A. Hell is for Heroes Part II)