Ha! Da war ich ja mal sowas von auf dem falschen Dampfer, ich dachte hier kommt ne neue Integrity und mach die Leute verrückt und jetzt seh ich mir bloß die Tracklist an und denke, daß ich diese Songs doch schon alle kenne. Das ist ein "Best of"!
Hm, schwierig also, was über diese Platte zu schreiben. Daß Integrity eine der einflussreichsten Bands waren, die die damals noch fest verschlossene Tür vom Metal zum Hardcore aufgemacht haben, weiss jeder. Ihre Kombination aus dreckigem Cleveland Hardcore mit der unvergleichliche giftigen Stimme von Dwid und diesen schwermetallischen Gitarren und Flitzefingersoli ist sicherlich mit Schuld daran, daß es auf einmal cool wurde, Slayer zu hören und daß sich sowas wie Metalcore überhaupt entwickeln konnte.
Daß sie ausserdem wohl eine der eigenartigsten Bands in dieser Szene waren, zeigt sich nicht nur an den ständigen Line-Up Wechseln, sondern auch ihrem sonstigen Auftreten. Straight Edge und dann wieder nicht, was gab es da Diskussionen mit der Szene-Polizei! Quasi als I-Tüpfelchen waren ihre Platten immer von bitterbösem Nihilismus geprägt, sowohl was die Texte als auch die sonstige Ausgestaltung anging. In der Thanks-Liste der "Those who fear tomorrow" findet sich nach dem Hinweis auf die Lieblings-Zigaretten und -burger der Bandmitglieder folgendes Statement: "We also like to mention that we hate all other cleveland bands except Ringworm." Haha!
Wie auch immer gibts auf "sliver in the hands of time" eine sehr ordentliche und umfangreiche Compilation (21 Songs!) aus der frühen Phase der Band (In Contrast of Sin EP) bis hin zu "Jagged Visions" als Live-Aufnahme in guter Qualität, das auf der 1996er "Humanity is the Devil" enthalten war. Das Spektrum reicht von richtigen Knallern wie "Darkness" bis zu elektronischem Firlefanz wie "Silence ever after" und ist dementsprechend unter biographischen Aspekten gut ausgesucht, qualitativ jedoch eher durchwachsen. Gerüchten zu Folge hat Dwid selber ausgesucht. Etwas ärgerlich finde ich ausserdem, daß keine Studio-Aufnahmen von den Platten dabei sind, die damals auf Victory herauskamen ("Systems Overload" und "Humanity is the Devil"). Wahrscheinlich Label Kram...
Diese Platte ist trotzdem eine Empfehlung für alle, die noch keine Integrity Platte haben, denn besser als hier sind die früheren Jahre nicht dokumentiert und die Originale sind wohl längst vergriffen. Alle anderen sollten sich, wie das Best of Compilations so ist fragen, ob sich die Investition lohnt. Daß das Teil mit 32-seitigem Booklet kommt, macht die Entscheidung nicht einfacher, aber wie gesagt, die Songs hat man alle schon gehört.
Achso: ein weiteres Gerücht besagt, daß Integrity an einem neuen Album arbeiten (so ist das, SxE, dann wieder nicht; aufgelöst, dann wieder nicht...), vielleicht klappts ja dann mit neuen Songs.
10/12 Punkte
http://www.dwidhellion.com/
http://www.dockyard1.com/
|