Ignite - Our Darkest Days
Ignite -  Our Darkest Days (Century Media Records)
review by claus

 

Ignite sind zurück! Wie lange hat man nichts mehr von den Jungs aus Orange County gehört ? Ihr letztes Release ‚A Place Called Home’ kam vor sechs Jahren auf den Markt, und war damals schon eines der Alben, die man sicher in seiner Cd Sammlung aufbewahren musste. Eine außergewöhnliche Band, die einen guten Mix zwischen Hardcore und Punk gefunden hat, und sich dadurch eine große Anhängerschaft über die Jahre gewinnen konnte, mich mit eingeschlossen. Mein erstes Konzert war Ignite in München auf der Resistance Tour 2002, und damals haben sie mir schon die Sprache verschlagen. Das lange Warten hat sich nun ausgezahlt. Ignite haben letztens einen Vertag mit Abacus Recordings abschlossen, wo auch Sick Of It All beheimatet sind. Im Vorfeld auf diese Veröffentlichung gab es schon einen Song zum runterladen, der schon einen riesigen Geschmack auf das Album gemacht hat. ‚Our Darkest Days’ heißt das neue Album, und ist anders als die Platten davor. Wichtig zu erwähnen, dass die Band nicht nur musikalisch, sondern auch menschlich groß ist.

Ok, dann starten wir mal. Ignite kommen aus Orange County, Kalifornien, doch kommt ihr Sänger Zoli Teglas ursprünglich aus Ungarn, worauf ich aber gleich noch zu sprechen kommen werde. Unglaubliche elf Jahre spielt man jetzt schon zusammen, und tourte schon durch über dreißig Länder in der Welt, auch wenn keine neue Scheibe in Aussicht stand. Textlich gesehen, ist die Band sehr politisch, was man spätestens an dem Cover von der ‚A Place Called Home’ erkannt haben sollte. Kernthemen sind: die Politik in Ungarn, aus der Zoli ja stammt, die Irak Politik der USA und der Alkoholmissbrauch werden aufgegriffen. Nun ja, jede Band braucht mindestens ein Element, damit sie herausragt. Hier ist es die großartige Stimme von Zoli, meiner Meinung nach hat er die größte Stimme überhaupt. Wer ihn mal live gesehen haben sollte, stellt sich die Frage wie ein solches Kraftpacket mit riesen Bizeps, so eine hohe, melodische und mitreißende Stimme entstehen lassen kann. Hier auf dem neuen Album spürt man sie präsenter als je zuvor. ‚Our Darkest Days’ beinhaltet vierzehn Songs, mit einer Länge von über dreißig Minuten. Es wurde von Cameron Webb (Motörhead, Social Distortion) produziert, der auch Hand an die Musik von Ignite angelegt hat. Seine Arbeit hat sich sehr ausgezeichnet, zu dem hat er den Jungs ein paar Tipps bei ihrem Song Writing gegeben, und damit einen kleinen, aber wichtigen Beitrag zu diesem Album geleistet. Fangen wir mal mit Song zwei‚ ‚Bleeding’ an. Dieser hört sich sehr stark nach alten Songs von Ignite an, der schon ziemlich lange im Internet herumschwirrte. Hierbei haben wir den typischen Gesang von Zoli, der sehr melodisch und einprägend klingt, dann die einschlägigen Riffs und einem imposanten Schlagzeug. Als nächstes steht ‚Fear Is Our Tradition’ an, einer meiner Lieblingssongs. Eingeleitet mit hohen Gitarren Riffs beginnt diese zeitlose Atmosphäre.  Der Refrain wird mit einer zweiten Stimme ergänzt und ergibt zusammen einen einbrennden Song, der wohl durch die Stimmen, als auch den Instrumenten glänzen kann. Der dritte Song ‚Let It Burn’ ist hier neben ’Bleeding’ sehr politisch angehaucht, und wendet sich bewusst gegen die Übertreibung von Alkoholkonsum, in Kombination mit lauten Tönen und der flotten Musik, einen Song macht, der bewegend ist. Der nun folgende Track ‚My Judgement Day’ schwirrte schon im Netz herum, als das Release noch lange nicht erscheinen sollte. Dieser Song gefällt mir am meisten, da er einen schönen Ohrwurm Charakter besitzt. Beginnend mit einem instrumentalen Intro, folgt ein ruhiger und klarer Gesang, der sich in Richtung Ausbruch bewegt, und Sänger Zoli bietet hier einen Teil seines gesanglichen Spektrums an. In dem er ruhig und bestimmend sing, aber dann auch wieder laut werden kann, um seiner Message Nachdruck zu verleihen, das sich aber gut nahtlos aneinander reiht. Die nun kommenden Lieder sorgen irgendwie dafür, dass der eigene Fuß nicht mehr ruhig bleibt. Hier verändert sich das Tempo sehr stark, lässt mal wieder an vorherige Songs erinnern, aber diese wirken viel lebendiger. Alles was Ignite vorher gespielt hat, ist schon ein wahrer bleibt trotzdem, dass sie auch mit langsamen, als auch mit schnellem Tempo einfach gut klingen, wobei bei der ‚A Place Called Home’ mehr der Punk in den Vordergrund gestellt wurde. Hier hat man es eher mit balladenartigen Song zutun. Ignite haben ihre Energie nicht verloren, wie man es beim Song ‚Know Your History’ festellen kann. Als vorletzter Song bekommt man die Cover Version vom U2 Klassiker ‚Sunday Bloody Sunday’ serviert. Dieser wurde in die Ignite typische Musik umgewandelt, und glänzt, wie schon zu Hauf erwähnt, durch Zoli Teglas. Um diese Version mal mit der ursprÜnglichen Version von U2 zu vergleichen, würde ich ich sagen, dass U2 schlechter wegkommen würden, allein schon durch die Stimme. Dieser Song ist ein Geschenk an die Fans. Den krönenden Abschluss bildet ‚Live For Better Days’, ein Track, der nur den Gesang von Zoli Teglas und einer Akkustikgitarre beinhaltet. Textlich sagt er aus, dass obwohl man all die schwerwiegenden Probleme auf der Welt hat, trotzdem dafür kämpfen sollte, dass sich in geraumer Zeit mal was verändert.

In meiner Einleitung erwähnt ich, dass Ignite nicht nur auf musikalischer, sonder auch auf menschlicher Ebene groß sind. Sie unterstützen schon seit längerer Zeit sehr viele Projekte wie ‚Ärzte Ohne Grenzen’, ‚Earth First’ oder auch ‚Sea Shepherds’. Alle Einnahmen ihrer Split Cds, 7“ s und 10 Inches spendeten sie. Eine Band, die ihre Texte lebt und versucht, die Aussage einzuhalten, die sie propagiert. Das verdient meinen Respekt. In einer Zeit, in der es ausschließlich nur um Umsätze geht, sind Ignite echt was Besonderes.

Nun komme ich endlich zu meinem Fazit zu ‚Our Darkest Days’. Leider muss ich gestehen, dass mir all ihre alten Veröffentlichungen sehr schnell langweilig geworden sind, und ich keine wirkliche Lust verspürte, sie mal Live zu sehen. Das ist ein sehr großer Irrtum! Ich habe bisher schon viele Bands bei Konzerten gesehen, aber Ignite ist für mich die größte Live Band. Bisher habe ich sie nur zweimal gesehen, und sie bleiben mir bis heute gut in Erinnerung. Alleine schon die Ansagen von Zoli Teglas sind ziemlich intelligent, mitreißend und einfach nur klasse. Mit dem neuen Album hat sich die Band weiterentwickelt, sie sind viel lebendiger und melodischer geworden. Sänger Zoli muss wohl diese wunderbare Stimme allein für sich gepachtet haben, und instrumental ist alles tadellos. ‚Our Darkest Days’ ist mit Abstand das beste Album dieser Band. Die Rezension ist jetzt etwas lang geworden, aber egal, diesem Werk muss Tribut gezollt werden. Ich kann es kaum erwarten Ignite bald wieder Live zu erleben, und es wird sich lohnen, so viel steht jetzt schon fest. Die volle Punktzahl für das Release bekomm es zurecht, da es atemberaubend, zeitlos und verdammt gut ist.

12/12