Ganz schön fett beworben wird ja das neue Werk von Hawthorne Heights aus Ohio. Gold in den Staaten für das Vorgängeralbum "The Silence in Black and White" kommt hier nicht nur ne neue Platte, sondern die neueste Äußerung des "cult of Hawthorne Heights", die "eingängigste Platte der nächsten Monate, das erste große Rockalbum des Jahres" (Labelinfo) Man darf also gespannt sein. CD rein und los!...hmm also so richtig vom Hocker haut mich das jetzt nicht. Vor Allem frage ich mich, was so alles als Rock durchgeht.
"If only you were lonely" ist ein solides Emo Album. Emo-Pop will sich nicht so recht über die Tasten: die Songs sind zwar eingängig, aber insgesamt zu melancholisch. Wie auf modernen Screamp/Emo-Alben üblich sind die Einflüsse weit gefächert: von Metal bis zu Beatles-Kunst-Pop ist alles vorhanden. Mal laut mal leise, mal geschrien, oft gesungen. Während der Opener "This is who we are" noch durch verzerrte Gitarren eingeleitet wird, ist beim letzten Song "Decembers" vor Allem das Klavier bestimmend, das sogar von Streichern unterstützt wird.
Wer jetzt denkt "das ist aber unrockig" der hat nur teilweise recht. Die lauten Stellen sind nicht zu selten und im Grunde ist auch das Tempo der Songs recht flott. "I'm on your Side" ist ein Hit, den z.B Further seems forever in ihrer "the Moon is down" Phase (fast) nicht besser hinbekommen hätten. Daran liegt es also nicht, "if you only were lonely" ist weniger heulsusig als viele vergleichbare Produkte.
Trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, dass die Platte etwas langweilig ist. Das Problem scheint mir zum einen im Songwriting zu liegen. Die Songs wirken insgesamt zu wenig durchdacht, Parts, bei denen der Funke richtig überspringt, fehlen. Bis auf Backing Vocals (!) in "Breathing in Sequence" hat die Band sich einfach zu wenig einfallen lassen, um aus der massenhaften Konkurrenz auf diesem Sektor herauszustechen.
Ein zweites Problem, denke ich, liegt beim Gesang. Während JT Woodruff stimmlich sonst als klasse Chris Carraba Klon durchgeht und sich je nach Geschmack mehr oder weniger gut in die Musik der Band einfügt, stört mich das Geschrei im Hintergrund ungemein. Die Songs steuern nicht auf so emotionale Höhepunkte zu, als daß das Geschrei als Gefühlsausbruch prima passen würde. Es wirkt deplatziert.
Was also machen mit dieser Platte? Ich denke wie der Vorgänger, der sich sage und schreibe 700.000 mal verkauft hat, bevor er jetzt neu aufgelegt wird, wird auch "if only you were lonely" seine Abnehmer finden. Die Platte ist sicherlich nicht schlecht gemacht, es fehlt mir nur an frischen Ideen, mit der Hawthorne Heights ihr Release aus der Menge der "einer schreit, einer singt"-Platten heben. Denn diese Konkurrenz ist mittlerweile viel zu groß.
7/12 Punkte
www.victoryrecords.com
www.hawthorneheights.com
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