Die
Geschichte von Further Seems Forever ist eine Geschichte von guten
und schlechten Nachrichten. Nach dem Erstling „the Moon is
down“ die Trennung von Sänger Chris Carraba. Dann mit neuem Sänger
Jason Gleason das großartige Album „How to start a Fire“ und
kurz drauf die schlechte
Nachricht, dass FsF wieder einmal ohne Sänger da standen, als die
Aufnahmen zum Nachfolger schon begonnen hatten. Nach der Auflösung
von Sense Field im Januar letzten Jahres wurde dann bekannt
gegeben, dass John Bunch die Vocals zu „Hide Nothing“
beisteuern würde. Und was war ich gespannt auf diese Platte! Vor
allem auf die Verbindung von Härte und Emotionalität, die „How
to start a Fire“ auszeichnete mit Bunchs charismatischer,
weicher Stimme.
Und
wie wohl bei FsF so üblich gibt es auch hier eine gute und eine
schlechte Nachricht. Zuerst die gute: herausgekommen ist ein
hervorragendes Album, das immer noch so manche Emo-Band in ihre
Schranken weist! Auf „Hide Nothing“ finden sich wieder
wunderbare Melodien versteckt in vertrackte Songstrukturen, und
die sich nicht beim ersten Durchlauf erschließen, sondern die
erst nach und nach hervortreten (Strongarm lassen grüßen), was
diese Platte wie den Vorgänger sehr spannend macht und
verhindert, dass Langeweile eintritt. Die Komplexität der Songs
geht jedoch nicht auf Kosten der Eingängigkeit. „Light up
Ahead“ und „Call on the Life“ entwickeln sich zu richtigen
Ohrwürmern, die ich mehr als einmal im Supermarkt oder im Bus vor
mich hingesummt habe…
Außerdem
lässt sich beim Durchsehen des Covers feststellen, dass „Hide
Nothing“ vom Artwork her wohl mit zum Schicksten zählt, was
seit „Tear from the red“ von „Poison the Well“ an
Coverartworks in Umlauf ist.
John
Bunchs Gesang fügt sich nahtlos in die musikalisache Untermalung
seiner neuen Kollegen ein, womit wir aber gleich auch beim
Kritikpunkt der Platte wären. Es fehlen die markanten Punkte, an
denen Jason Gleason auch mal gegen die Musik sang und die
letztlich die Höhepunkte der Songs auf „How to start a Fire“
bildeten. Das Schwanken zwischen süßem Gesäusel bis hin zu
emotionalem Schreien, das Gleason perfekt beherrschte, fehlt Bunch
auf „Hide Nothing“ noch. Er passt die Gesangsmelodien perfekt
an die Gitarrenlinien an, was die Platte insgesamt ruhiger und
weniger sperrig erscheinen lässt, jedoch auf Kosten der Intensität
geht. Man kann ihm nicht nachfühlen, worum es bei den Songs geht
und das ist doch der Sinn von Emo(tional) HC. Auch textlich hat
sich einiges verändert. Die Lyrics von „Hide Nothing“ sind
ein großes christliches Bekenntnis. Auf einem Label wie Tooth and
Nail bestimmt keine Besonderheit. Ich hielt es jedoch für eine Stärke
der älteren FsF, dass sie sich eben hier nicht aufdrängten,
sondern eine christliche Auslegung der Texte durchaus möglich
war, jedoch nie der religiöse Zeigefinger rausgeholt wurde,
sondern auch eine ganz persönliche Interpretation der Texte möglich
war. Das mehrfache Auftauchen des Wortes „Lord“ verhindert von
vornherein diese Möglichkeit. Moralisch habe ich kein Problem mit
christlichen Texten, jedoch kann ich nicht behaupten sie sprächen
mich besonders an. Ein Minus deshalb leider auch für die Texte,
die zudem noch recht einfach gehalten und wenig originell
scheinen. Hier muss man sicherlich berücksichtigen, dass zwischen
der Anheuerung Bunchs als Sänger und dem Erscheinen des Albums
gerade einmal vier Monate vergangen sind, weshalb man glaube ich
kaum gesangstechnische und textliche Meisterwerke erwarten kann.
Zudem haben sich FsF selbst die Messlatte so hoch gelegt, dass sie
sich wohl mit allen Veröffentlichungen an „How to start a
Fire“ messen lassen müssen. „Hide Nothing“ jedenfalls ist
ein sehr gutes Album, das wegen einiger Schönheitsfehler jedoch
nicht mit seinem Vorgänger mithalten kann.
11/ 12
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