Ephel Duath - Pain neccessary to know

Ephel Duath - Pain neccessary to know (Earache November 2005)
review by florian

 

Ephel Duath sind aus Italien und veröffentlichen mit "Pain neccessary to know" schon den zweiten richtigen Longplayer (der erste "the Painters Palette bereits von 2003). Ich für meinen Teil hatte bisher trotzdem noch nie von dieser Band gehört. Als dann das neue Album angekündigt wurde mit "Jazz-Metal", fand ich das zumindest mal interessant und habe mir auf ihrer Homepage das Video zum Song "the Passage" vom Vorgänger angesehen.

Und Ephel Duath haben mich sowas von umgehauen! Bleierne, schleppende Düsterparts, die von Free-Jazz Frickelparts aufgelöst werden. Dieses Konzept, was wohl für das alte Album (kenne es ja leider nicht), auf jeden Fall aber für die Single "the Passage" gilt, führen Ephel Duath mit "Pain neccessary to know" konsequent weiter.

Wer sich jetzt bei der Beschreibung des Sounds an Dillinger Escape Plan erinnert fühlt, liegt damit nicht ganz falsch. Ähnlich ist auf jeden Fall die atemberaubende technische Perfektion mit beider Bands, sowohl, was die Songstrukturen angeht, als auch deren Umsetzung. In diesem Zusammenhang fällt mir auch das Psyopus Album "Ideas of Reference" ein. Und doch sind Ephel Duath nicht direkt vergleichbar. Wo DEP oder Psyopus chaotisch und absurd sind, werden Ephel Duath düster und bedrohlich.

Die Stärke von "Pain neccessary to know" liegt eindeutig in der ungeheuer dichten Atmosphäre, die sich gaaanz langsam aufbaut, wenn man wirken lässt, was da passiert. Das Labelinfo spricht von "Paranoia", und besser kann ich es auch nicht beschreiben. Ähnlich wie auf dem Götteralbum "the Seraphim fall" von Bloodlet wird der Hörer hier buchstäblich hin- und hergeworfen zwischen den finster schwelenden Dampfwalzenparts und den manischen Jazz-Ausbrüchen, die die eben gewonnene Sicherheit und Übersichtlichkeit wieder als Täuschung entlarven. Da spielt mitten im Song eine Spieluhr ("Vector, second Movement") oder das Leitmotiv wird komplett gewechselt ("I killed Rebecca"). Unglaublich gut gemacht sind auch die Variationen der Motive, der Opener "New Disorder" lebt von der Verfremdung des stampfenden Anfangsriffs im 'jazzigen' Mittelteil. "Pain neccessary to know" ist ein Labyrinth, in dem man eine kleine Ahnung bekommt, wo der rettende Ausweg ist, und dann steht hinter der Tür doch wieder Jack Nicholson mit der Axt.

Ganz großes Kino also. Für den Alltag ist die Platte damit jedoch denkbar ungeeeignet. "Pain neccessary to know" braucht Zeit, um seine wirkliche Stärke zu entfalten. Auf jeden Fall wird das Album ganz stark polarisieren: die einen hassen es, die anderen finden es großartig. Deswegen meine ausdrückliche Empfehlung: vorher Probehören! Man braucht wirklich eine ordentliche Einarbeitungszeit und eine gehörige Portion Aufgeschlossenheit gegenüber musikalischen Experimenten. Vielleicht gehört ihr dann bald zur zweiten Gruppe wie ich.

11/12 Pkt.

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