Cult Of Luna - Along The Highway
Cult Of Luna - Along The Highway (Earache Records)
review by henny

 

Umea – die Stadt der Birken – ist Heimat so verschiedener Bands wie The (International) Noise Conspiracy, Meshuggah, Naglfar oder Refused. Und die Heimat von Cult Of Luna. Diese siebenköpfige Band fügt sich nun gar nicht in das Bild der oben genannten ein, sondern zieht ihr eigenes Ding durch. Auf den drei Vorgängern zu der jetzigen Platte „Somewhere Along The Highway“ bewiesen sie bereits, dass Post-Hardcore mehr ist als Bands wie Thursday oder Taking Back Sunday einem das weismachen wollen.

Auch auf diesem Release hört man vor allem anderen Neurosis heraus, während alles andere  - vor allem Konsumierbarkeit – unwichtig ist. Cult Of Luna haben für ihr Album tatsächlich den passendsten aller Namen gefunden: Somewhere Along The Highway klingt wie eine lange, nebelige Autofahrt durch Schweden. Zunächst langsam und getragen, mit kaum hörbarem Gesang und unterschwelligen Gitarrenlinien bricht man in „Marching To The Heartbeat“ auf. Sanfte Elektronika unterstreichen den melancholischen Unterton und gestalten den Song sehr weich. Die Musik klingt nach wogendem Morgennebel, nach dunklen Fichtenwäldern und Dämmerung. Erst nach einigen Minuten setzten Drums und Bass ein, erzeugen eine majestätische Stimmung, so als würde man den düsteren Wald verlassen und hinaus auf eine freie Fläche fahren, auf der willkürlich uralte Felsbrocken verstreut sind. Der Gesang wird nun deutlich agressiver, die Spannung innherhalb des Songs steigt an und man kann förmlich vor sich sehen, wie die Sonne am Horizont erscheint und tastend die Landschaft erhellt. Schließlich senkt sich der Spannungsbogen wieder, die lauten Gitarren und der Schreigesang brechen ab und der Song klingt langsam aus. Schließlich geht „Marching To The Heartbeat“ nahtlos in „Finland“ über. Auch hier finden sich wieder Spannungsbögen aus harten, aggressiven Parts und langsamen, filigranen Spielereien, die im ständigen Wechsel eine ganz eigene Atmosphäre aus beklemmender Intensität und befreienden Lichtblicken aufbauen.  Bezeichnend für Cult Of Luna ist der sehr langsame, aber nicht unbedingt schleppende Sound, gepaart mit meist hintergründigem, verzweifeltem Brüllgesang und abwechselnd sehr kompakten oder extrem ausuferndem Gitarrenspiel. Auf der ganzen Platte wechseln Tempo und Stimmung abrupt und unerwartet; wirken wie eine Berglandschaft mit verkrüppelten Zwergkiefern in der unerwartet ein spiegelklarer See auftaucht. Genauso unerwartet erwischt den Hörer das Banjo in „Back To Chapel Town“, die percussionartigen Drums in „Thirtyfour“ oder die Orgelklänge in „Dim“.  Die Band verweigert dem Zuhörer jeglche Eingängigkeit, man muss sich das Album erarbeiten um es überhaupt genießen zu können. Die Monotonie der Songs, deren Langsamkeit, dass sie ineinander übergehen und gern mal 10 Minuten dauern macht es dem potentiellen Fan nicht leichter, die Band gut zu finden. Dennoch wird es an dieser Platte keinerlei Kritik geben, denn Cult Of Luna machen ihre Sache überragend gut. Dass ihr Album mich dennoch teilweise regelrecht ankotzt liegt eher an ihrem Label, dass die Songs mit Voiceovers, in diesem Fall sogar gleich zweimal pro Song, völlig verunstaltet und für mich damit leider ungenießbar macht.

Diese CD ist vor allem für denjenigen interessant, der sich allein in der Musik verlieren möchte. So wie der einsame Autofahrer, der es zuletzt dann doch überstanden hat. In tiefster Nacht, zu den Klängen von „Dark City Dead Man“, kommt er an seinem Ziel an. Er hat eine anstrengende Fahrt hinter sich, auf der er sich innerhalb von Sekunden so sicher wie in den Armen seiner Mutter oder so verzweifelt wie ein Spatz in einem Orkan fühlte. Jedes Extrem wurde ausgelotet, langsam aber heftig, und schließlich lässt die Platte einen nicht mehr los. Man muss sich auf „Somewhere Along The Highway“ einlassen können, aber  - versprochen – es lohnt sich.

11 /12