Apiary - Lost In Focus
Apiary - Lost In Focus (Metal Blade Records)
review by henny

 

Bienenstock… Ein bisschen verwunderlich ist die Namensgebung dieser Band ja schon, passt das Bild von lustig umhersummenden Biene Maja-Verschnitten doch so gar nicht zu den Referenzen, die Apiary schon mit dem ersten Album einfahren konnten. Man denke nur an gemeinsame Shows mit Unearth, Lamb Of God, The Black Dahlia Murder und anderen üblichen Verdächtigen. Dennoch lag „Lost In Focus“ mehrere Monate in der Schublade, bis Metalblade sich des Fünfers aus Kalifornien annahm und das herumliegende Stück Musik weltweit erhältlich machte. In letzter Zeit ist es schon häufiger aufgefallen, dass Metalblade sich ziemlich auf junge Bands konzentrieren, die es vielleicht gerade mal ein Jahr lang gibt und die jetzt ihr Debüt herausbringen. Mir schwirren da grad so Phoenix Mourning und If Hope Dies im Kopf herum, und in Ermangelung besseren Wissens würde ich auch Apiary in diese Riege ordnen.

„Lost In Focus“ beginnt mit gedrosselter Lautstärke; der Anfang des ersten Songs klingt, als würde er aus einem Radio aus dem Jahre 1940 plärren. Kein besonders einfallsreiches Intro, so richtig ärgert man sich als Hörer aber erst, wenn man feststellt dass dieses Intro das aufregendste an der Platte ist. Danach bekommt man einen merkwürdig proportionierten Klumpen aus Metalcore und etwas vertrackteren Rhythmen vorgesetzt, der im ersten Durchlauf praktisch unvernommen durchrauscht. Schuld daran ist das verworrene Konzept, das hinter Apiarys Songs steht. Melodien sucht man vollkommen vergebens, auch Tempowechsel, Gitarrenspielereien oder abwechslungsreicher Gesang sind nicht vorgesehen. Im Gegenteil: Von Anfang bis Ende stampfen sich die Songs in fast gleich bleibendem schleppendem Tempo voran während sich ständig Rythmuswechsel und Dischords einschieben. Eigentlich ein interessanter Aspekt, aber leider geht das hier völlig daneben. Die Songs wirken allesamt ziellos und bieten nichts, was hängen bleiben könnte. Nicht besser wird der Gesamteindruck durch den an Monotonie kaum zu überbietenden Gesang von Jason Ingram, der mit seinem eigentlich angenehm anzuhörenden Schreiorgan mit Sicherheit mehr anstellen könnte als nur stumpf in der Gegend herumzubrüllen. Was sich bis hierher wie ein Verriss anhört, hat aber auch durchaus interessante Seiten. Wie im Metalcore Genre inzwischen Pflicht ist beherrschen die Instrumentalisten ihre Geräte bereits fast bis zur Perfektion; das Zusammenspiel klingt flüssig und extrem druckvoll. So lassen auch die verdrehten Strukturen bis zu einem gewissen Maß aufhorchen, bevor sie zur Gewohnheit werden.

Apiary haben mit „Lost In Focus“ ein Album vorgelegt, bei dem es einem direkt leid tut, dass man es nicht mag. Aber leider liegt der namensgebende Fokus einfach viel zu sehr auf dem verzweifelten Versuch total chaotisch zu klingen, wodurch andere Aspekte völlig vernachlässigt werden. Das macht dieses Release leider vollkommen ereignislos und damit überflüssig. Dennoch hoffe ich auf ein nächstes Album, denn mit ein wenig mehr Zielbewusstsein und einem Blick fürs Detail könnten Apiary sich ohne weiteres aus der Masse der Bands mit schwedischem Einschlag herausheben.

7/12