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Als mir im Frühjahr bekannt wurde, dass
Further seems Forever, eine meiner absoluten
Lieblingsbands Mitte Juni in Münster spielen sollte, habe
ich mich direkt aufgemacht und wegen eines Interviews
angefragt. Das klappte dann auch alles so herrlich
unkompliziert! Angefragt, zugesagt, Zeit und Ort
abgemacht, wunderbar! Der Tag des Interviews war dann
jedoch wieder mal ein Beweis dafür, dass im Vorfeld mit
den Planungen alles so gut gehen kann, und dann doch
wieder was dazwischen kommt. Das erste war die Verletzung
von Drummer Josh, so dass die ganze restliche Tour auf der
Kippe stand. FSF beschlossen jedoch die letzten Termine
ein Akustik-Set zu spielen. Ich war also pünktlich mit
Dani, die mit mir das Interview führen sollte, am
Treffpunkt und wir warteten, als uns die Organisatoren
mitteilten, dass die Band noch nicht da sei und wohl erst
in zwei Stunden käme, da der Fahrer sich verfahren hatte
und sie jetzt erst in Hannover wären. Ich habe später
noch kurz mit dem Fahrer gesprochen: er war schon früher
mal in Münster, Westfalen gewesen und hat sich auf der
Fahrt von Berlin in der Nähe von eben Hannover in
irgendeinem Kaff, das wohl so ähnlich heißt, erst
gewundert, dass sie schon da wären und dann, dass der Ort
so seltsam aussieht. Trotz der zwei Stunden Verspätung
und der langen Fahrt, nahmen sich Jon und Derek viel Zeit
und sprachen mit uns geduldig über Starallüren, Gott und
Good Charlotte...
Florian: So, ich glaube,
wir können anfangen...zuerst mal: wie läuft die Tour?
Von einigen Kleinigkeiten mal abgesehen...
Derek:
Sie läuft sehr gut. Wir waren vorher noch nie in
Europe, ausser in Großbritannien, deswegen waren wir uns
nicht sicher, was uns hier erwarten würde, aber es läuft
gut!
Jon: Wir sind wirklich
positiv überrascht!
Flo: Wie findet das
Publikum euer jüngstes Album „Hide Nothing“?
Derek: Überraschenderweise
kennen sehr viele Leute die Songs. Wir waren uns nicht
sicher, ob überhaupt irgendjemand die neueren Songs
kennen würde, aber in manchen Städten scheinen sie sogar
nur die Neueren zu kennen. Das freut uns sehr.
Flo: Was ist mit den
Älteren? Spielt ihr sie live?
Jon: Die Hälfte des Sets besteht aus älteren Sachen. Wir spielen „Snowbirds and Townies“, „Wearing thin“, „the Moon
is down“, „the Sound“ “new Years Project”. Alles, was die Kids lieben...(lacht)
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Jon
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Flo: Die nächste
Frage geht an die Band. Ist es schwierig, bei jedem Album
mit einem neuen Sänger zu arbeiten?
Derek: Also, es ist
ziemlich schwierig mit Jon zu arbeiten...
Jon: Ja, ich bin sehr
kompliziert...(lachen)
Derek: ...nein, ist es
eigentlich nicht. Mit dem alten Sänger gab es einige
Kleinigkeiten, weil er sehr jung war, aber richtige
Schwierigkeiten nicht. Mit Jon überhaupt nicht, er ist
ein Veteran, deswegen war es wirklich unkompliziert, mit
ihm zu arbeiten.
Jon: Ich glaube, die Fans
haben größere Probleme mit einem neuen Sänger. Für sie
scheint es schwieriger zu sein als für die Band selbst.
In unserem Online Forum waren so viele Beiträge, wer der
beste ist, wer scheisse ist und so...
Derek: Die Leute haben sehr
viel Zeit.
Flo: Wie ist es denn für
einen Sänger, in einer Band anzufangen, die schon länger
besteht?
Jon: Das war schon eine
großer Umstellung für mich. Aber die Jungs in Further
kamen aus der selben Szene wie ich und haben mich fast wie
einen Bruder behandelt. Ich glaube, es hätte für mich
nicht besser laufen können. Ich bin nach Pompano
gekommen, wo die Jungs alle herkommen, habe sie getroffen,
sie haben mich wirklich sehr gut behandelt. Außerdem
hatte ich noch andere Freunde da, die nicht in diesen
Kreis gehören. Es hat mir sehr geholfen, mit ihnen durch
die Stadt ziehen zu können oder rumzuhängen. Die Stadt
ist für mich wirklich ein zweites Zuhause geworden. Ich
kenne sie mittlerweile sehr gut, die Bars...
Derek: Dandy Donuts...(lacht)
Jon: Ja, so was halt. Ich
glaube, es hätte nicht besser laufen können unter diesen
Umständen.
Flo: Habt ihr euch
schon gekannt, bevor du nach Pompano gezogen bist?
Derek: Ich bin sechs Monate
bevor Jon bei uns eingestiegen ist auf einer Sense Field
Show gewesen...
Jon: Ja, da habe ich
Derek und Jason, den damaligen Sänger getroffen. Ich habe
mich lange mit ihm unterhalten, er war sehr nett. Derek
war irgendwie durchgedreht, aber Jason war nett...
Derek: Ja, Jon ist so ein
Rockstar-Typ...
Flo: Dann hast du ja
ein echtes Problem, Jason ist gegangen und Derek ist immer
noch da...
(lachen)
Jon: Ich erinnere mich,
dass Further 1999 mal für Sense Field eröffnet haben,
damals noch mit Carraba als Sänger – er ist übrigens
ein echt netter Kerl. Ich erinnere mich noch an die Jungs
und wie sie ihr Equipment aufgebaut haben und so, aber wir
haben uns nicht mit ihnen unterhalten. Deswegen hat es
sich ja noch sehr gut entwickelt...
Flo: Könntet ihr
einige Bands oder Künstler nennen, die euch beeinflussen?
Jon: Wenn man Musiker
ist, hört man unglaublich viel Musik. Deswegen habe ich
überhaupt angefangen, in Bands zu spielen. Darum gibt es
eigentlich viel zu viele Einflüsse, um sie alle zu
benennen. Während wir diese Platte mit James Wisner (Produzent,
Anm. Flo) gemacht haben, habe ich oft bei ihm zu Hause
rumgehangen und mir alle seine Cds angehört und so,
Perfect Circle, Queen, ja, Queen habe ich viel gehört.
Ich habe ganze Nächte lang Queen gehört. Zwar glaube ich
nicht, dass man das in unseren Songs merkt...
Derek: Jon hat nicht
angefangen, höher zu singen...(lachen)
ich selbst bin großer Jazz Fan, deswegen höre
ich das am Meisten. Ich mag auch einige Rockbands, aber
die meisten haben sich leider schon aufgelöst, Sunny Day
Real Estate, two thirty eight, Led Zeppelin. Viele dieser
Bands haben mich am Anfang beeinflusst. Aber jetzt höre
ich seit Jahren Jazz.
Jon: Ich glaube, das hört
man auch. Zum Beispiel in „for all we know“ und vielen
anderen Songs auf „hide nothing“ kommt deutlich
heraus, dass Derek ein Jazz-beeinflusster Gitarrist ist.
In „all rise“ vielleicht auch.
Flo: Ich glaube, die
Gitarrenarbeit ist allgemein sehr komplex und die Rhythmen
sind nicht sehr straight...
Derek: Ja, das ist etwas,
das wir nicht planen. Es passiert einfach so. Wenn Josh,
der andere Gitarrist mit einem Teil kommt, dann versuche
ich, dazu etwas zu spielen, von dem ich finde, das es dazu
passt. Manchmal, wenn ich etwas geschrieben habe, tut er
dasselbe. Wir setzen uns nicht hin und sagen: „Oh Mann,
lass uns mal was total kompliziertes machen.“
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Derek |
Flo: Könntet ihr eure
momentanen Lieblingsplatten nennen?
Jon: Ich liebe „Urban
Hymns“ von the Verve. Richard Ashcrofts Soloalbum
„alone with everybody” finde ich auch großartig. Ich
höre mir viele Sachen an, aber ich kaufe mir kaum
Platten. Ich habe meine Lieblingsplatten und zu denen
komme ich immer wieder zurück. Und das ist immer wieder
entweder U2 oder Queen oder the Verve oder Richard
Ashcroft. Ich bin da wohl sehr engstirnig. Mir kommt es
bei denen besonders auf den Sänger an.
Derek: Grant Green, „Standards“...
Jon: Alles klar, die nächste
Frage bitte (lacht)
Derek: Rockplatten, ich
weiss gar nicht...ich mag die neue Solea; es gitb eine
Band, Army of me, die ich sehr mag. Wie gesagt, die
meisten Bands, die ich mag, gibt es nicht mehr.
Flo: Das ist alles
wenig HC oder Emo.
Derek: Die anderen
Bandmitglieder kamen alle aus der HC Szene. Ich nicht. Ich
bin direkt vom Metal zum Jazz. Hardcore habe ich nie gehört.
Jon: Ich habe seit ´83
Punk gehört bis `88. Das ist eine lange Zeit, da gab es für
mich nichts Anderes. Natürlich habe ich meine
Lieblings-Punkplatten. Danach habe ich 15 Jahre lang
Hardcore gehört. Ich weiss das wohl noch zu schätzen.
Wenn ich eine gute HC-Band live sehe, dann merke ich, dass
es gute Musiker sind. Aber die meisten HC-Bands haben
keine guten Sänger, welche, die wirklich singen können.
Das ist, was mir da fehlt.
Dani: Wie ist das bei
dir mit den Texten. Ich denke, dass sie sehr spirituell
sind, du hast eben schon „for all we know“ erwähnt.
Sind sie deiner Ansicht nach eher persönlich oder sollen
sie Leitfäden für andere sein?
Jon: Ich wünsche mir,
dass meine Songs den Leuten helfen, sich besser zu fühlen.
Ich versuche da nicht, etwas zu predigen. Aber wenn sich
jemand schlecht fühlt oder so, fände ich es toll, wenn
er in einem von meinen Texten etwas findet, das ihn
weitermachen lässt. Für mich selbst sind viele Texte wie
offene Briefe an Gott, „Light up ahead“ ist so einer.
Dani: Glaubst du,
Leute, die nicht an Gott glauben, können die Texte
verstehen?
Jon: Ich hoffe das. Ich
verurteile niemanden, der nicht an Gott glaubt. Ich kann
das verstehen, es gab in meinem Leben genug Zeiten, in
denen ich auch nicht geglaubt habe. Das ist wirklich nicht
einfach, weil die Welt ein schrecklicher Ort sein kann. Für
mich macht es Sinn, wenn jemand sagt, er glaubt nicht an
Gott, das ist okay.
Flo: Hast du einen
Zeitpunkt im Leben gehabt, der dich hat anfangen lassen zu
glauben?
Jon: Nein, aber es gibt
so Momente, in denen man da einfach rausfällt, wo man
sich fragt, wo Gott eigentlich ist. Ich glaube, es ist
gut, wenn man sich das fragt. Man kann nicht einfach
rumlaufen und sagen: „Okay, der existiert.“ Man muss
darüber nachdenken und eine Beziehung zu ihm aufbauen.
Ich habe immer an Gott geglaubt, seit ich fünf Jahre alt
war oder so. Meine Eltern haben sich scheiden lassen, als
ich zwei Jahre alt war und meine Mutter hat immer gesagt,
dass Gott mein richtiger Vater wäre, darum habe ich mich
hingesetzt und mit ihm gesprochen und mich dabei gut gefühlt.
Über die Jahre baut man wirklich eine beziehung zu Gott
auf. Manchmal läuft das da gut, manchmal hat man seine
Zweifel.
Dani: Wie würdest du
Religion im Vergleich zu anderen Themen wie z.B. Politik
in deiner Musik beschreiben?
Derek: Ich glaube nicht,
dass wir eine besonders politische Band sind. Wir predigen
nicht religiös oder politisch...
Jon: Wir versuchen da
niemandem irgendetwas aufzuzwingen. Im Grunde sind wir nur
fünf Typen, die zufällig alle an Gott glauben und
zusammen eine Rockband haben.
Derek: In den Staaten
vermischen sich manchmal Politik und Religion. Aber ich
glaube, dass es da eher um persönliche Entscheidungen und
Gedanken geht. Natürlich gibt es viele Bands, die
auf der Bühne politisch oder sonst wie predigen.
Das ist okay, solange es nicht darum geht, Platten zu
verkaufen. Wenn man starke Gefühle für eine Sache hat,
dann äußert sich das eben so. Solange das ehrlich ist,
finde ich das großartig. Wenn man von einer Sache
politisch oder religiös...
Jon: ...oder künstlerisch...
Derek: ...ja, oder künstlerisch
so bewegt ist und sie auf diesem Wege ausdrücken will,
dann ist das toll! In der Kunst geht es ja darum, sich
auszudrücken. Leute drücken sich unterschiedlich aus,
sie sprechen über verschiedene Dinge, ob in ihrer Musik
oder ihren Bildern oder Schriften, oder was sonst noch.
Das ist alles gut, wenn es eine positive Message hat. Es
gibt viele Bands, die eine negative Message haben, manche
glauben sie vielleicht, andere wollen bloß Platten
verkaufen...Wie auch immer, ich glaube, wenn jemand starke
Gefühle für eine Sache hat, dann sollte er das Recht
haben, sie auszudrücken.
Flo: Ich hätte
eigentlich noch eine Strongarm-Frage, aber die kann ich
glaube ich schlecht stellen (Josh,
Steve und Chad waren halt nicht da – Anm. Flo)
Derek: Doch, doch, stell
sie. Ich glaube, ich habe jede Antwort schon mal gehört (lacht)
Flo: Okay, ich hatte
immer irgendwie das Gefühl, dass Strongarm recht düster
in der Musik und den Texten war. Im Gegensatz dazu
scheinen mir bei Further seems Forever die Texte und Musik
recht positiv zu sein. Würdet ihr mir da zustimmen?
Derek: Ich weiß nicht, ob
Strongarm eine düstere Band war. Und ich weiß nicht, ob
nicht auch in Further die Musik manchmal „düster“
ist. Von den Texten her würde ich sagen, dass Strongarm
eine Band war, die predigen wollte. Deswegen stelle ich
mir das übergeordnete Ziel durchaus positiv vor.
Vielleicht ist das nicht immer so rübergekommen...Was FSF
anngeht: Als Jon in die Band kam, war sein Ziel wohl
einfach, eine schöne Platte zu machen, eine positive
Platte.
Jon: Ich habe versucht,
die schönste Platte zu machen. Sie haben mir die Musik
gegeben und ich habe versucht, damit eine möglichst schöne
Platte zu machen.
Flo: Kennt ihr das Good Charlotte Video zu
„Chronicles of Life and Death“?
Derek: Das ist witzig, das
hat mir schon einmal jemand gesagt. Ich habe es leider
noch nicht gesehen, aber man hat mir erzählt, dass es
schon sehr ähnlich zu unserem Video zu „Light up
ahead“ ist. Unsers war eher da! (lacht)
Jon: Ich kenn es leider
auch nicht.
Flo+Dani: Danke für
das Interview!
Derek+Jon: Wir danken euch...
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