
Wir haben keine Mühen gescheut um euch ein Interview mit Trivium bieten zu können und so haben wir Corey vor dem Gig in Osnabrück für ne Stunde ausgeborgt und der Herr war recht redselig. Er gab uns gutwillig Auskunft über sein Rockstar Leben mit Trivium und fand die Zeit mit uns über das Phänomen, warum Manowar in Deutschland so groß sind, zu quatschen
S:
Hi Corey
C:
Hi wie geht´s?
S: Mir geht´s gut, aber wie steht´s mit dir. Muss doch im Moment ziemlich stressig für euch sein, oder?
C: Ach eigentlich nicht. Wir sind grade mit dem Bus hier angekommen und hängen jetzt n bisschen hier rum und entspannen vor dem Gig heute Abend. Im Moment ist noch alles cool.
S: Ihr seid seit
Februar fast ununterbrochen auf Tour mit Bands wie 3 Inches of Blood oder Arch
Enemy und im Winter werdet ihr mit Amon Amarth und Children of Bodom in den
Staaten für volle Clubs sorgen. Wie haltet ihr den Touralltag das ganze Jahr
aus. Macht es euch noch Spaß oder freut ihr euch auf das Ende der Tour im
Dezember?
C: Naja, der Anfang der Tour war ziemlich hart. Aber eigentlich ist es ein riesen Spaß jeden Abend vor anderen Leuten zu spielen, die Reaktionen zu sehen und wie es ihnen Spaß macht. Natürlich ist das Reisen an sich auch nett, verschiedene Städte zu sehen und so. Aber vor allem wenn man zurück an einen Ort kommt wo man schon mal war, und man dann einen Fortschritt zum letzten Mal sieht. Wenn du das Erste Mal irgendwo spielst und dich keiner kennt ist das recht mühselig, aber jedes Mal wenn du wieder kommst, kommen mehr Leute und mehr Leute haben deine Platte. Dann machen die Shows auch mehr Spaß. Dazu kommt noch, daß, wenn man erstmal nen bestimmten Bekanntheitsgrad hat, man auch ne Crew anheuern kann, die dir das Leben on the road sehr erleichtern. Zu touren ist viel stressiger, wenn du alles selbst machen mußt. Also nicht nur jeden Abend spielen, sondern auch ein- und ausladen, dann das ganze Business zeug. Das schlaucht natürlich. Im Moment ist aber alles viel leichter als es noch vor sechs Monaten war. Wir haben mehr Zeit für uns, müssen nicht selber fahren und so.
S: Der erste Song den ich von euch gehört hab war „pull harder…“. Und ich dachte gleich, hey, das klingt irgendwie anders als die ganze Masse von Metal-Core Bands die man sonst so hört. Was ist es deiner Meinung nach, was Trivium vom Rest abhebt.
C: Wir machen gar keinen Metal-Core. Zur Zeit werden viele Heavy Bands - speziell die aus Amerika – Metal-Core genannt. Wir sehen uns ganz klar als Metal-Band. Wir sind eher von den Old-School Thrash Metal Bands wie Metallica, Megadeth, Pantera oder Testament beeinflußt. Wir versuchen eigenständig zu sein und uns von allem fern zu halten was diese Metal-Core Bands machen. Metal-core macht irgendwie jeder. Wir nehmen unsere Einflüsse aus Quellen, die andere nicht so sehr ausschöpfen. Wir versuchen das zu machen, was andere Bands nicht machen, oder nicht machen können, so daß es einfach nach uns klingt.
S: Ihr habt tatsächlich eine ziemliche Bandbreite an Stilrichtungen in euren Songs. Was spielt da noch mit rein außer den alten Thrash Helden.
C: Die Thrash Sachen ist einfach son Ding wo alle mit klar kommen. Jeder hat aber auch seine eigenen Sachen die den anderen vielleicht erstmal gar nicht gefallen würden. Matt hört z.B. manchen Mist, den kein anderer in der Band sich reinziehen würde. (lacht) Es kann zum Beispiel vorkommen, dass er eine Queen Gesangslinie über ein Thrash Riff singt, und dadurch, dass die Gesangslinie aus ihrem Kontext gerissen wird, entsteht was völlig einzigartiges.
S: Also hört ihr auch nicht-Metal Bands und zieht Ideen daraus?
C: Klar. Also das kann völlig unterschiedlich sein. Das fängt an mit Classic Rock oder Southern Rock, 70er Kram … oder mehr Gesangsorientierte Bands wie David Bowie…oder Queen. Ich hör nehme allerdings kaum CDs mit auf Tour. Meine CD Sammlung wird größer je länger wir auf Tour sind. So probiert man immer was neues aus und findet neue interessante Sachen. Wir kriegen ja immer neuen Stuff von unserem Label, oder wenn wir mal nen Day-Off haben rennen wir immer gleich in nen Plattenladen oder gestern waren wir in Belgien auf nem Festival, wo son Plattenverkäufer ganz cooles Zeug hatte.
S: Ihr wart ja in diesem Jahr auch auf dem größten Deutschen Festival. Rock am Ring. Wie war das für euch?
C: Yeah. That was fun. Großbritannien lief ziemlich gut für uns, aber im Rest Europas konnten wir bis dahin noch nicht so oft spielen um dadurch ne Fan-Basis aufzubauen, wie in anderen Ländern. Aber in Deutschland haben wir eindeutig den besten Zulauf seit dem wir bei Rock am Ring gespielt haben. Als wir noch im Frühjahr in Europa waren und mit 3 inches of Blood und Still Remains durch kleine Clubs getourt sind, kamen nicht so richtig viele Leute zu unseren Shows, weil alle drei Bands einfach noch nicht so bekannt waren. Aber in den Ländern wo wir Festivals bespielt haben kommen auf einmal voll viele um uns zu sehen, weil wir bei den Festivals scheinbar echt gut angekommen sind. Bei Rock am Ring speziell haben uns mehrere Tausend gesehen. Hoffentlich schaffen wir´s nächstes Jahr auch zu den anderen coolen Festivals in Deutschland.
S: Rock am Ring ist ja ein sehr gemischtes Fest. Da steht nachmittags noch Santana wo abends Metallica spielen.
C: Oh ja. Aber wir wollen nächstes Jahr unbedingt Graspop spielen … in Deutschland With Full Force oder Wacken. Letzes Jahr war´s echt schwer auf nem Festival zu spielen. Aber jetzt nach der langen Tour und dem neuen Album, das sich gut verkauft, sollte das schon anders aussehen.
S: Auf eurer Website habt ihr geschrieben, dass ihr ständig an neuem Material arbeitet. Ich würde gern wissen wie viel ihr mittlerweile habt und wann ihr wieder ins Studio geht.
C: Wir haben tatsächlich schon einiges an neuem Zeugs. Zur Zeit ist es noch ist es so, daß alles in den Köpfen von jedem einzelnen von uns ist. Auf Tour kann die Band ja leider nicht zusammen proben. Matt hat ein Paar Songs geschrieben, jeder hat so seine Ideen. Im Dezember wird die Tour zu Ende sein und nach ein paar Wochen Pause werden wir dann im Januar als Band wieder zusammen proben und hoffentlich auch die Pre-Production schaffen, weil dann im Frühjahr 2006 schon wieder ne US-Tour und eine UK Tour kommen soll. Wenn wir dann im Mai wieder zurück sind werden wir das neue Album aufnehmen um dann anschließend wieder auf Tour zu gehen. Falls bei diesem wahnsinns Zeitplan tatsächlich alles klappt, wird das Album im nächsten Herbst rauskommen. Wie du siehst sind wir die nächste Zeit ziemlich beschäftigt.
S: Laß uns ein bißchen über den Roadrunner United Sampler sprechen. Du hast ja auch auf einem Song die Gitarre beigesteuert. Wie war´s für euch mit den alten Helden zu spielen. Habt ihr die ganz großen, wie z.B. King Diamond, überhaupt getroffen?
C: Nein leider nicht. Wir haben den Song in unserem Stammstudio aufgenommen und er hat dann die Gesangsparts bei sich zu Hause aufgenommen und uns dann die fertigen Gesangsspuren per Email zugeschickt. Es war unglaublich. Er hat ziemlich genau das eingesungen, was wir im Hinterkopf hatten, als der Song geschrieben wurde.
S: Wer hat denn eigentlich King Diamond ausgesucht. Hat Roadrunner gesagt ihr nehmt ihn ans Mikro oder durftet ihr das aussuchen.
C: Es war recht glücklich, daß Matt überhaupt nen Song für diesen Sampler schreiben durfte. Ein Team-Captain war abgesprungen und dann kam RR auf ihn zu und sagte, daß er einen Song für King Diamond schreiben dürfte. Matt hat mich sofort gefragt ob ich auf dem Song spielen will, weil ich quasi mit King Diamond groß geworden bin. Ich hab Matt die erste King Diamond Platte gegeben und wir haben versucht dem alten Sound so nah wie möglich zu kommen.
S: Auf beiden Trivium Alben habt ihr Songs über Mißbrauch und häusliche Gewalt. Ist das in irgendeiner Form autobiographisch oder ist es einfach ein Thema das euch berührt?
C: Nein autobiographisch ist es nicht. Matt hat sich allerdings schon seit dem College damit beschäftigt und es ist einfach ein Thema, das zu wenig im Bewußtsein der Menschen ist. Wenn man sich damit auseinandersetzt, daß es Kids gibt, die die Hölle zu Hause haben, dann macht das einfach wütend. Wir sind keine Band die über Politik oder Fantasy singen wollen, sondern über echte Sachen, die im Alltag passieren, aber über die nicht geredet werden. Es kommt vor, daß Fans auf uns zu kommen und uns erzählen, daß sie sich mit unseren Texten identifizieren können, genauso wie es Fans gibt, denen die Lyrics recht egal sind. Aber die durch die Musik Aggression und Wut rauslassen können – im positiven Sinn. Beides ist gut und zeigt uns daß wir das richtige machen.
S: Auf eurer Homepage habt ihr geschrieben, daß ihr für die Band lebt und daß die Band genau das ist was ihr für den Rest eures Lebens machen wollt. Gab es jemals eine andere Richtung in die ihr eingeschlagen wäret, wenn es Trivium nicht gäbe?
C: Ich bin in Maine aufgewachsen. Da ist es verdammt schwer Jungs zu treffen, die auf Metal stehen, oder die mit dir ne Band gründen wollen. Wir spielen alle schon fast das ganze Leben unsere Instrumente und eine Band wie Trivium war immer was wir werden wollten. Speziell auf unserer UK Tour haben uns die Fans gezeigt, daß es die richtige Entscheidung war. Da kommen auf ein Mal Fans zu deinen Gigs, die deine Songs lauter mitsingen als die PA und nach dem Gig laufen dir Leute hinterher, die dir unbedingt dein Trivium Tattoo zeigen wollen. Das ist doch genau das warum man das ganze macht. In Deutschland hat´s noch nicht ganz so eingeschlagen, aber wir sind zufrieden. Wir haben letztens die neue Manowar DVD geguckt. Die sind so irre berühmt in Deutschland. Als wir in Köln gespielt haben kamen ca. 400 und dann sehen wir auf der DVD, daß bei Manowar 8000 in ner riesigen Arena gewesen sind. Vielleicht müssen wir nochmal unsere Frisuren überdenken und mehr zwischen den Songs reden. So ne „Brothers of Metal“ Rede wie Joey deMaio es macht bringt die Leute in Germany zum durchdrehen.
S: Ich bin sehr gespannt auf eure kommende True Metal Phase. Viel Spaß auf dem Rest der Tour, viel Erfolg für das nächste Jahr. Und danke für deine Zeit.