CZ: Ihr tendiert dazu, euch statt “The Ocean” lieber “The Ocean Collective“ zu nennen. Seht ihr euch eher als Kollektiv denn als Band?

Robin: Ja, schon! Wir haben eine etwas ungewöhnliche Struktur in der Band. Es gibt so einen festen Kern von Mitgliedern die immer da sind und die auch live immer mit auf der Bühne sind, ohne die die Band einfach nicht funktioniert. Das ist das Schlagzeug, Perkussion, zwei Gitarren, Bass, der Nico, der die Samples macht, der Hauptsänger, der Meta, und meistens noch ein Soundtechniker, der heute aber nicht dabei ist. Diese Leute sind immer dabei, die brauchen wir auch, das ist sozusagen die Kernband.

Und dann gibt es noch einen Pool von lose assoziierten Leuten, die dazu kommen wenn wir sie brauchen und wenn sie Bock und Zeit haben. Das sind zum Beispiel die klassischen Musiker, die auf unserem letzten Album - also nicht das aktuelle, sondern das davor, Fluxion – gespielt haben. Da sind viele Celli, Geigen drauf, Klarinetten, Flöten auch und so was, und die können wir halt nicht mit auf Tour nehmen, weil es einfach nicht passt! Du siehst ja, schon hier ist die Bühne zu klein, in Schwerin wird’s wohl noch kleiner sein, manchmal auch größer, aber mehr als sieben, acht Leute auf die Bühne zu stellen ist einfach unrealistisch, und im Bus passen die auch nicht rein, insofern sind diese Leute halt nicht dauerhaft dabei und das ist eben der Gedanke hinter dem Kollektiv, das wir halt keine starre Struktur haben sondern dass es ein bisschen fließt, wir häufige LineUp-Wechsel haben, wir arbeiten momentan auch mit drei Gitarristen obwohl immer nur zwei auf der Bühne stehen. Wir sind offen, wir laden Leute ein bei uns zu spielen, sich die Songs drauf zu schaffen und wenn sie technisch gut genug sind und Bock haben freuen wir uns auch, mit unbekannten Leuten zu touren.

Und das ist eben die Idee dahinter, wir versuchen die Band offen zu halten, wir versuchen jeden zu integrieren der die Band voranbringt und der irgendwie etwas beitragen kann und möchte. Das passiert aber nicht immer auf Vollzeitbasis, es gibt auch Leute die machen Webdesign für uns und die kommen halt nicht zu den Proben, aber die gehören trotzdem zur Band, weil die machen das ohne Geld dafür zu kriegen sondern einfach nur weil sie Bock drauf haben. Und in diesem Sinne ist es ein Kollektiv. Man muss jetzt nicht unbedingt an Baader-Meinhof denken, aber ich glaube, dass es das trotzdem ganz gut erfasst.

CZ: Werdet ihr den Namen in Zukunft auch für eure Platten verwenden oder wird es da bei „The Ocean“ bleiben?

Robin: Nein, wir haben da auch diskutiert das „Collective“ fest in den Bandnamen mitrein zu nehmen, dass das also auch auf den Tonträgern auftaucht, wir haben uns dann aber dagegen entschieden. Ich denke “The Ocean“ Hat da einfach mehr Gewalt, mehr Aussagekraft, das ist ein sehr mächtiger Name, da wollten wir das Kollektiv halt nicht mehr rein haben.

Es wird aber wahrscheinlich noch diverse Projekte geben die irgendwo assoziiert sind zum „The Ocean Collective“, die unter anderem Namen fungieren werden, die aber teilweise mit Mitgliedern von uns arbeiten werden, aber auch noch mit anderen Leuten. So ein bisschen wie diese ganze Toronto-Szene, um Goodspeed You Black Emperor und so . So was Ähnliches stellen wir uns auch vor.

Wir haben gerade noch zwei andere Projekte am Laufen die wir aufbauen, dazu kann und will ich jetzt aber noch nicht viel sagen, weil das ist noch nicht wirklich spruchreif, aber wir werden zum „The Ocean Collective“ auf jeden Fall noch weitere Referenzen hinzufügen.

CZ: Diese Bandstruktur ist doch ziemlich einzigartig in Deutschland, oder?

Robin: Ja, leider!

CZ: Die beiden neuesten Interviews auf eurer Seite sind von französischen Magazinen, obwohl ihr dort noch nie auf Tour wart bzw. erst in Kürze gehen werdet.

Robin: Boah, die sind uralt!

CZ: Wie bekannt seid ihr denn außerhalb Deutschlands?

Robin: Es läuft jetzt mit der neuen Platte sehr gut. Wir haben jetzt im September einen Deal mit Metalblade unterzeichnet, unser erster internationaler Deal, die anderen Alben waren alle nur innerhalb von Deutschland erhältlich, außer Fluxion, die war über Flown Records, ein spanisches Label, auch im Ausland erhältlich. Aber wirklich nur über kleine Undergroundchannels, die haben faktisch keine Promotion gemacht, wir waren halt so Insidertipps in manchen Ländern, aber mehr ist da nicht passiert.

Jetzt mit Metalblade läuft das auf einer ganz anderen Ebene, die haben für uns im November, Dezember in zwei Monaten über neunzig Interviews angesetzt, die sind alle noch nicht auf unserer Website, das heißt die beiden französischen die du da findest sind noch von der Fluxion, die sind über ein Jahr alt. Einfach aus dem Grund, dass wir das noch nicht geschafft haben zeitlich, das upzudaten. Also es gibt jede Menge neue Interviews, und wenn du googelst findest du die eigentlich auch alle.

Es läuft im Moment aber sehr gut, in England, in Frankreich gibt es großes Interesse, in Skandinavien auch, über den Tomas Hallbom, der da ja gewissermaßen auch bekannt ist. Insofern freuen wir uns da grad sehr, auch die Tour ist dicht gebucht, wir haben sechsunddreißig Shows jetzt in den nächsten fünf Wochen, also im Prinzip zwei, drei days off und sonst jeden Tag eine Show, und die eigentlich auch quer durch Europa. Von Skandinavien bis Portugal, das ist unsere erste Tour, ich kann noch nicht sagen wie viele Leute kommen werden, in vielen Ländern spielen wir zum ersten Mal, in Portugal und Spanien zum Beispiel… Nee, in Spanien haben wir im September eine Einzelshow gespielt, auf einem Festival, das war sehr geil, aber sonst haben wir da noch nie gespielt. Insofern kann ich das nicht einschätzen was da für Leute kommen und auch wie bekannt wir da tatsächlich sind. Ich kann es halt nur von der Medienresonanz her einschätzen und Interesse war da auf jeden Fall viel da. Und jetzt muss mal halt gucken, ob das auch bei den Leuten angekommen ist und die dann auch zu den Shows kommen. Das hoffe ich sehr!

CZ: Ihr habt auch ohne Gastsänger wie Tomas Hallbom schon ein recht großes Line Up von acht Leuten. Wie entstehen da eure Songs? Schreibt ihr die zusammen oder ist nur ein Teil von euch am Songwriting beteiligt?

Robin: Nee, die Songs schreibe ich, alleine! Ganz klare Ansage! Da hört das Kollektiv auf, wir haben von Anfang an diesen Ansatz verfolgt, dass… Also, ich bin nach Berlin gezogen, ich komm ursprünglich aus Celle, und hab mir Leute gesucht, die meine Songs spielen.

Ich hab vorher lange Zeit in Jambands gespielt, wo man halt gemeinsam Songs macht, das hat auch immer viel Spaß gemacht, aber das hat uns nicht wirklich vorangebracht. Wir haben halt nie Platten veröffentlicht, und wir haben im Proberaum zwar gemerkt, dass wir das alles geil fanden und eine geile Live-Energie da war, aber wenn man sich das dann aufgenommen auf Tape anhört war es dann doch nicht so gut und ich wollte dann irgendwann halt wirklich komponierte Musik machen. Also vierspurig, ich hab Songs geschrieben mit programmiertem Schlagzeug und meinen Gitarren, hab die aufgenommen und hab mir dann hier in Berlin gezielt Leute gesucht die darauf Bock haben. Das hat lange gedauert, aber letztendlich hab ich sie dann auch gefunden und das war dann from day one sozusagen unser Ansatz. Dass ich die Songs also zu Hause schreibe, ich spiel sie dann den anderen vor, die hören sich das an, dann gibt es natürlich Kritik, Feedback, dann wird hier und da was geändert, oder wir gucken, welche Sachen live wirklich funktionieren, weil manchmal hat man eine Idee und das lässt sich einfach nicht umsetzten oder das ist technisch nicht spielbar. Zum Beispiel unser Schlagzeuger, wenn der gleichzeitig auf vier verschiedene Trommeln hauen muss, so was wird dann noch geändert, aber im Prinzip werden die Songs wirklich komponiert zu Hause und durcharrangiert und dann erarbeiten wir die im Proberaum.

Das ist eine sehr effektive Art und Weise, wo sich nicht jeder kreativ verwirklichen kann, aber das suchen die Leute auch nicht wenn sie in den Ozean kommen, und wir suchen auch keine Leute die in jedem Song ihr Solo unterbringen müssen und sich ständig musikalisch in den Vordergrund schieben müssen, sondern wir suchen Leute die banddienlich spielen, die die Musik verstehen und erstmal grundsätzlich bejahen und gut finden und dann irgendwie einen positiven Input reinbringen.

Und so haben wir von Anfang an eigentlich immer gearbeitet. Dass ich zu Hause halt die Komposition aufnehme, auf Computer mittlerweile, und die dann den anderen vorspiele und dann reden wir drüber und gucken was wir draus machen. Der Startpunkt ist halt ein fertiger Song, mit Schlagzeug, Bass, Gitarren und Gesang, das ist alles fertig, nicht wie bei anderen Bands halt ein Riff oder eine Idee, wir haben einen kompletten Song der schon am Ausgangspunkt da ist. So läuft das.

CZ: Außerdem habt ihr noch extra Künstler für die Live Visualisierungen. Wie sieht deren Arbeit aus?

Robin: Also, wir haben zum einen wie du heute gesehen hast die programmierte Lichtshow, die wird vom Rechner gesteuert, die spielt komplett zum Sequenzer, der Sequenzer gibt unserem Schlagzeuger einen Klick, wie so ein Metronom, auf das Ohr, und schaltet unsere Gitarreneffekte, unsere Ampkanäle und er kontrolliert eben auch unsere Lichtshow und letztendlich auch unsere Videos. Diese Lichtshow haben wir schon seit einer ganzen Zeit, eigentlich von Anfang an gehabt, weil wir ein paar mal Live gespielt haben und es uns einfach auf die Nerven ging, dass wir ständig in irgendwelchen Clubs gespielt haben wo die Lichttechniker die Songs überhaupt nicht kannten und rotes, blaues, gelbes, grünes Licht irgendwie wild kunterbunt durcheinander angemacht haben, was die Atmosphäre völlig kaputt gemacht hat. Du hast gesehen, wir sind recht düster auf der Bühne, wir arbeiten viel mit grünen, blauen Farben und versuchen ein bisschen so eine „david-lynchige“ Atmosphäre auf die Bühne zu bringen. Und das macht das natürlich kaputt wenn du da gelb-rote Funzen anhast die da irgendwie rumblitzeln! Und davon wollten wir weg und deshalb haben wir von Anfang an halt diese programmierte Lichtshow gehabt die wirklich genau auf die Musik geschnitten ist, da gehen dann eben auf die eins die Blinder an, und das Stroboskop flackert in der richtigen Geschwindigkeit und so, das war eben von Anfang an dabei.

Das ist Teil eins der Visuals, Teil zwei sind die Videos, die hast Du heute ja nicht gesehen leider, auf Grund von technischen Problemen die wir häufiger haben, das steckt alles noch ein bisschen in den Kinderschuhen die Entwicklung. Wir haben jetzt aber auch wirklich für jeden Song in dem Set das wir heute gespielt haben Videos fertig, das macht ein anderer Mensch, unserer früherer Lichttechniker, der kümmert sich jetzt ausschließlich um die Videos. Und das sind genauso wie das Licht auf die Songs maßgeschneiderte Videos, Sequenzen, meistens zusammengeklaubtes Zeug aus verschiedensten alten Filmen, aus alten Dokumentationen, zum Teil auch aus Filmen wie „Stalker“ von Andrej Tarkowskij den wir sehr lieben und dieser ganze Film repräsentiert glaube ich die ganze Band sehr gut. Und da haben wir viele Sequenzen rausgeschnitten du in unseren Kontext gestellt. Zum Teil auch selbst gefilmte Sachen, aber die sind in der Minderheit, das Meiste ist eben plagiarisiertes Zeug. Und das Ganze ist eben auch so auf die Songs geschnitten wie das Licht, das kannst du dir jetzt wahrscheinlich schlecht vorstellen, das ist weitgehend in schwarz-weiß gehalten, es hat eine sehr eigene Ästhetik, aber es fällt mir schwer das in Worte zu fassen. Ich denke es unterstreicht die generelle Atmosphäre die wir auf die Bühne bringen. Es sind weitgehend unkonkrete Bilder, aber schon auch Sequenzen, man sieht Menschen, man sieht Maschinen, und das Ganze bringt eben eine gewisse Atmosphäre auf die Bühne. Ich will das nicht weiter versuchen zu beschreiben, das muss man sehen glaube ich.

CZ: Wie wichtig ist denn für euch das Optische im Vergleich zur Musik? Setzt ihr beides in einen bestimmten Zusammenhang zueinander?

Robin: Ja, auf jeden Fall! Also wie ich schon gesagt habe in einen Zusammenhang auf jeden Fall, das Licht soll die Musik unterstützen, soll die Atmosphäre unterstreichen und aufbauen, die die Musik ohnehin schon versucht aufzubauen, und Mittel dazu sind zum einen Farben, zum anderen sind es passgenaue Schnitte, dass man wirklich Sequenzwechsel auf die Takte hat und Szenenwechsel vom Licht her.

Ob das wichtig ist oder nicht… Es ist sehr wichtig, sonst würden wir es ja nicht machen! Wie gesagt, wir hatten es einfach satt da ständig irgendwie zufälliges Licht zu haben. Ich denke das visuelle Medien sehr sehr wichtig sind um Atmosphäre aufzubauen und zu unterstützen. Ich glaube der Mensch reagiert auf visuelle Stimuli genauso wie auf auditive Stimuli, wenn nicht sogar noch mehr. Viele Menschen gehen ins Kino und sind da emotional stark berührt, das geschieht durch Bilder und deshalb haben wir von Anfang an auch versucht Bilder zu integrieren in unsere Show, weil es dann einfach „the salt of the senses“ ist, weißt du, man kriegt nicht nur zu hören sondern man kriegt auch was zu sehen. Wenn man sich heute ein Live Konzert anguckt, dann will man ja auch was sehen, man will ja mehr geboten kriegen als nur die Platte repliziert die man eh schon kennt von zu Hause aus der Stereoanlage. Und das wollen wir halt bedienen und den Leuten wirklich auch Bilder geben und visuelle Reize. Ich halte es also für sehr wichtig und ich hab schon Bands gesehen die tolle Musik gemacht haben, die aber kein eigenes Licht mit dabei hatten und in kleinen Clubs gespielt haben wo das Licht scheiße war, wo das wirklich die ganze Show für mich ruiniert hat, obwohl die Musik gut war. Das zeigt einfach wie anfällig wir sind, wie stark wir reagieren auf visuelle Reize. Ich glaube das ist sehr wichtig.

CZ: Ihr nennt in eurer Biografie nicht nur Musiker als Einflüsse sondern auch Künstler wie Dalì oder David Lynch. In wie weit wurdet ihr durch deren Bilder bzw. Filme inspiriert und wie zeigen sie sich in eurer Musik und euren Visualisierungen?

Robin: Also dieser ganze Surrealismus ist so eine Sache, David Lynch ist ja auch irgendwo ein Surrealist, Dalì in jedem Fall, wir nennen da viele Surrealisten. Ich glaube unsere Musik ist auf eine gewisse Art und Weise surrealistisch. Wir versuchen, alles fließen zu lassen, wir machen Übergänge zwischen den Songs, wir versuchen einen kleinen Film auf die Bühne zu bringen in dem man sich verliert. Wir haben auch bei den Texten zum Beispiel einen Ansatz der diesen psychischen Automatismus verfolgt den diese surrealistischen Dichter gehabt haben, dass man sich also einfach treiben lässt, dass man sozusagen nicht mit einem Thema anfängt so wie „Ich schreib jetzt einen Text über Biertrinken!“ oder „Polizei ist doof!“ oder so was, sondern dass man einfach anfängt mit Bildern und sich das dann weiterentwickeln lässt über Zufälligkeiten, über zufällige Mechanismen die sich im Hirn und im Kopf abspielen. Genauso geh ich auch an das Texte schreiben ran, das arbeitet viel mit abstrakten Bildern und Worten, und das geht zurück auf viele Surrealisten die ich gelesen und geliebt habe und gesehen habe, wie auch immer, und ich denke das schlägt sich in der Musik auf jeden Fall auch nieder.

Wir nennen aber auch noch viele andere Einflüsse in der Biographie, weil du das grad ansprichst, man sieht nicht alle immer unmittelbar in der Musik oder in der Bühnenshow, aber trotzdem haben sie uns auch als Personen zum Teil stark beeinflusst. Rimbaud zum Beispiel, ein frühromantischer französischer Dichter, wir haben auch einen Song nach einem seiner Bücher benannt auf der neuen Platte. Das ist aber trotzdem eine Sache die man nicht so direkt in der Musik sieht, aber die Person hat mich als Mensch zum Beispiel unglaublich beeinflusst, der ist mit dreißig Jahren in Äthiopien gestorben, ist irgendwie bei der Armee in Wien gewesen, desertiert, geflohen nach Cypern und so weiter und hat einfach ein wahnsinnig intensives Leben gehabt. Und das versuchen wir auch, deshalb haben wir diese Band irgendwie, wir versuchen das meiste rauszuholen aus diesen Tagen die uns geschenkt sind, insofern sind auch solche Persönlichkeiten wie Rimbaud es gewesen ist auch ein starker Einfluss auf mich als Person gewesen und auch auf einige andere in unserer Band und deshalb bekennen wir uns auch dazu.

CZ: „Aeolian“ klingt wesentlich straighter und metallischer als das eher experimentelle „Fluxion“, obwohl zwischen der Entstehung der Platten nur ein Jahr liegt. Woher kam dieser Entwicklungssprung?

Robin: Das ist keine Entwicklung, wir haben beide Platten in derselben Session aufgenommen. Da ist also null künstlerischer Progress zwischen den Alben, wir haben im Januar 2004 angefangen damit, haben komplett Schlagzeug und Gitarre für „Fluxion“ und „Aeolian“ aufgenommen, zu dem Zeitpunkt wussten wir noch gar nicht, welche Songs auf welchem Album landen würden. Wir haben einfach gesagt wir nehmen alles auf was wir haben zu dem Zeitpunkt, genau das haben wir gemacht, und…

An dieser Stelle werden wir von einem Fan unterbrochen, der erst zufrieden ist, nachdem Robin ihm drei Autogramme (!?!) gegeben hat…

Robin: Ähm… Also, ich hatte dir ja schon erzählt, wir haben alles zusammen aufgenommen, wussten zu dem Zeitpunkt noch gar nicht welche Songs wo landen werden, nahmen das erstmal zu dem Zeitpunkt wo wir das geschrieben hatten auf, und dann wollten wir das ganze eigentlich als fette Doppel-CD rausbringen, so einhundertzwanzig Minuten Musik, das wollte aber unser Label nicht, die haben gesagt „Hört mal, ihr seid so eine kleine Band, wir haben kein Geld dafür und euch kennt auch noch keiner, das macht keinen Sinn.“ Das haben wir dann auch eingesehen und dann mussten wir die Songs halt aufteilen. Da haben wir uns erst hingesetzt und gesagt „Okay, wie teilen wir sie auf? Machen wir zwei Alben die gemischt sind oder teilen wir sie wirklich relativ krass auf, so die harten Stücke ohne Orchester auf ein Album und die eher orchestralen Stücke auf ein anderes Album.“ Letztendlich haben wir uns für diesen Ansatz entschieden, weil und das auch reizvoller erschien, weil wir uns einfach gedacht haben, es ist spannender zwei Alben zu machen die auch wirklich verschieden klingen, wo die Leute nicht zwei Mal dasselbe serviert kriegen. Wir haben dann erst „Fluxion“ fertig gemacht, davor gab’s ein Album das heißt „Fogdiver“, das war ganz instrumental, und wir dachten halt „Fluxion“ stellt die bessere Brücke zwischen „Fogdiver“ und „Aeolian“ dar, darum haben wir das dann erst gemacht. Wenn wir nach „Fogdiver“ gleich „Aeolian“ rausgebracht hätten, ich glaub das wäre relativ krass geworden.

Dann hätten wir die Leute noch mehr verwirrt als sie ohnehin schon verwirrt waren, die Meisten sind schon nicht damit klargekommen das plötzlich Gesang da war nach „Fogdiver“. Das hat uns viele Fans gekostet, uns aber auch viele neue gebracht die damals nicht auf „Fogdiver“ standen. Das ist immer so, wenn man sich stark verändert und weiterentwickelt, verliert man Leute, gewinnt aber auch viele neue. Wir wollen genau solche Leute ansprechen, die davon abstrahieren können ob das nun Metal oder Postrock oder sonst was ist, sonder die sich einfach die Musik anhören, die sich mit den Songs auseinandersetzten und teils sagen können „Das gefällt mir und das gefällt mir nicht!“, egal was für ein Genre das dann ist. Ich mag das nicht, wenn man ständig nach irgendwelchen Schubladen beurteilt wird und die Leute sofort abspringen wenn man mal irgendetwas anderes macht.

Ich selbst höre ganz viele ruhige akustische Bands, ich hör genauso gut Dimmu Borgir und solche krassen Metalbands und wenn es gut gemacht ist, gefällt mir das alles. Ich denke im Übrigen auch dass die Alben nicht sooo unterschiedlich sind, also die sind schon anders, klar, aber ich denke wenn man wirklich hinhört und in die Strukturen der Songs reinhört, dann merkt man auch, dass viele Sachen sich ziemlich ähnlich sind, das Songwriting, das ganze Riffing, die ganze Drumarbeit, das ist sich doch sehr ähnlich. Und zwischen den drei Alben liegt auch kaum Entwicklungszeit, einige der Songs auf „Aeolian“, zum Beispiel „Queen Of The Food Chain“ oder auch der letzte Song „Inertia“, die sind älter als einige Songs auf der „Fogdiver“. Das lag daran, dass wir bei „Fogdiver“ relativ neue Songs genommen hatten und nicht immer einfach chronologisch vorgegangen sind, und jetzt auf „Aeolian“ sind zum Teil total brandneue, aber auch noch ein paar alte Songs gelandet. Und deshalb gibt es da eigentlich auch keine Entwicklung, alles ist der Ozean in all seinen Facetten und das soll auch so sein.

CZ: Ihr habt auf „Aeolian“ mit Tomas Hallbom von BREACH zusammen gearbeitet, die einer eurer größten Einflüsse sind. Wie ist es gewesen, mit ihm zu arbeiten?

Robin: Geil! Also ich bin der größte BREACH-Fan unter der Sonne, glaube ich! Diese Band habe ich geliebt und sie hat mich persönlich auch unheimlich beeinflusst und hat mir unheimlich viel bedeutet. Als „Venom“ rauskam `98 hab ich drei Monate lang nur diese Platte gehört und nichts anderes hat mich interessiert. Das war auch eine Band die mich dahin gebracht hab dass ich gesagt hab „Ey, ich will selber Musik machen!“ Und zwar mit voller Energie und nicht einmal die Woche abends, sondern wirklich 100%. Das war dann natürlich auch besonders geil mit Tomas zusammenzuarbeiten. Auch was die Vocals angeht war er früher wirklich einer meiner Lieblingssänger gewesen und er hat auch immer sehr geile Texte geschrieben.

Insofern haben wir uns sehr gefreut über seine Zusage, die auch sehr schnell kam. Eigentlich wollte er das in Schweden aufnehmen, seine Parts, aber wir haben dann telefoniert und er meinte dass er das super vermisst auf der Bühne zu stehen und live zu spielen und da hab ich gesagt „Hey, warum kommst Du nicht runter nach Berlin, wir nehmen die Songs hier bei uns auf, und spielen ein paar Konzerte zusammen!“ Genau das haben wir dann auch gemacht, das war im letzten April, wir haben ihn dann eingeflogen und seine Vocaltracks aufgenommen und dann noch vier Shows zusammen gespielt, in Berlin, in Trier, und zwei in Holland, mit Tomas an den Vocals halt. das war ein sehr positives Erlebnis, gerade für mich, auch mit ihm auf der Bühne zu stehen warextrem geil und seine Stimme über unseren Songs zu hören hat auch sehr gut gepasst fand ich. Er hat dann viele Songs von der „Fluxion“ auch komplett gesungen bei diesen Shows, das war sehr erquicklich im Ergebnis und wir sind auch wirklich gute Freunde geworden, wir telefonieren häufig, ich denke wir werden das auch in der Zukunft fortsetzen, er hat sein Tonstudio aber in Schweden, er kann nicht immer mit uns auf Tour kommen, geht nicht, aber für einzelne Gigs werden wir sicher wieder mit ihm mal auf die Bühne gehen und auch ins Studio denke ich.

CZ: Werdet ihr auch in Zukunft mit Gastmusikern zusammenarbeiten oder schwebt euch für das nächste Album etwas ganz anders vor?

Robin: Das weiß ich noch nicht! Also auf dem Album ist das ein bisschen aus den Fugen geraten, eigentlich wollten wir am Anfang nur Tomas Hallbom haben, aber irgendwann kam dann die Idee „Warum nicht ein paar andere Leute fragen?“ Wir hatten dann insgesamt sieben Sänger, fünf Gastsänger und zwei native Ozeanier. Wie gesagt war das eigentlich nicht so geplant das Album, wir hatten noch nach ein paar anderen Stücken gesucht aber irgendwann haben wir das Konzept ganz verworfen nur einen Hauptsänger zu haben und wollten versuchen eine Platte zu machen mit ganz vielen verschiedenen Stücken. Das birgt Gefahr dass diese Platte ihren Charakter verliert, aber wir fanden den Gedanken sehr reizvoll. Das passt auch zu diesem Kollektivgedanken davon wegzukommen starre Strukturen zu haben, immer dasselbe Line Up, immer dieselben Leute, und deshalb haben wir das probiert. Und ich finde das ist und auch sehr gut gelungen, ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis und kann mir auch gut vorstellen, das noch mal zu machen, in ähnlicher Art und Weise. Sicherlich nicht mit denselben Sängern so noch mal, das wäre mir glaube ich zu langweilig, wobei ich gerne mit Tomas Hallbom wieder was machen würde, vielleicht auch mit Sean noch mal…Ach was soll’s, ich weiß es nicht! Ich kann mich nicht festlegen. Es kann aber auch sein, dass die nächste Platte was die Vocals anbelangt sehr zurückgeschraubt wird und weitgehend instrumental wird, mit wenigen Vocalparts und dann ist da natürlich nicht soviel Raum für. Aber es gibt viele Leute mit denen ich noch gerne zusammenarbeiten würde, Tom Waits zum Beispiel, schaun wir mal!

CZ: OK, das war’s, ich danke dir!