CZ: Ihr seid jetzt schon eine ganze Weile in Groß Britannien und Australien auf Tour gewesen, jetzt kommen Europa und dann Nord Amerika. Fühlt ihr euch noch wohl dabei, so lang weg von zuhause zu sein?

Fred: Tja, das ist so eine Sache bei der man vorsichtig sein sollte, was man sich wünscht: Genau jetzt machen wir das, wovon wir immer geträumt haben, aber man muss auch einen Preis dafür zahlen. Wir können unsere Familien, unsere Freunde und unser zuhause nicht sehen. Aber ich beschwere mich nicht, weil ich zu all diesen über die Welt verstreuten Orten reisen kann, die Leute kennen unsere Musik und zu wissen, dass es unsere Musik war, die uns hierher gebracht hat. Im Moment leben wir unseren Traum.

CZ: Ihr habt schon mit Bands wie Green Day, The Used oder Jimmy Eat World gespielt, aber gibt es eine Band mit der ihr unbedingt immer spielen wolltet aber bisher nicht konntet?

Fred: Ja! Wir sind Fans der Band Muse, die sind echt gut, und wir konnten sie immer nur sehen, wenn wir Festivals gespielt haben wo die auch waren. Und die Foo Fighters, das wär toll! Da sind nur ein paar, aber AC/DC sind auch dabei. Deren Fans würden uns zwar nicht mögen, aber wir mögen die.

CZ: Wie kam es zu den Signing Sessions in London und Nottingham?

Fred: Wir machen solche Signing Sessions weil wir die Leute treffen möchten, die unsere Musik hören. Wir versuchen auch, nach den Shows rauszugehen oder davor und Leute zu treffen, denn sie sind der einzige Grund dafür, dass wir an all diese Orte reisen dürfen. Wenn die aufhören würden zu unseren Shows zu kommen würden wir immernoch zuhause rumhocken. Wir schulden ihnen eine Menge, also nehmen wir uns Zeit wann immer wir können und machen halt diese Signing Sessions und versuchen einfach, Leute zu treffen.

CZ: Und wie war es, von BBC gesendet zu werden?

Fred: Oh, das war total spannend! Beim Major Radio gespielt zu werden und dann auch noch in einem anderen Land ist sehr toll. Ich wünschte ich hätte es selbst hören können, aber wir haben hier einfach kein Radio . Aber es ist aufregend, nicht nur in den Staaten Erfolg zu haben, sondern auch im Ausland.

CZ: Und, meinst du dass ihr damit potentielle neue Fans erreicht habt?

Fred: Ja! Aber weißt Du, ich höre normalerweise keine Musik im Radio, ich richte mich da nach Freunden oder Mundpropaganda. Wenn jemand sagt dass eine Band gut ist, dann höre ich sie mir mal an. Und ich glaube, dass das bei den meisten unserer Fans nicht anders ist, dass sie uns schon vorher kannten. Aber es gibt genug Leute da draußen, die nur das hören was im Radio läuft und wenn die jetzt zu unseren Shows kommen ist das auch cool. Mehr Leute auf der Party!

CZ: Ihr habt als Band im November '99 angefangen und bis heute habt ihr so ziemlich alles erreicht, was man erreichen kann. Welche eurer alten Ziele habt ihr erreicht und welche habt ihr aus den Augen verloren?

Fred: Schon allein dass wir immer weiter gewachsen sind seit die Band angefangen hat ist ein Ziel, dass wir erreicht haben. Aber es gibt noch immer Ziele. Viele davon haben damit zu tun Länder zu besuchen, in denen wir bisher noch nicht gespielt haben, zB gehen wir diesen Sommer zum ersten Mal nach Japan, was schon ziemlich aufregend ist. Wir wollen aber noch viel mehr Länder in Europa besuchen. Ich weiß, dass wir im Herbst nochmal nach Deutschland kommen um ein paar Shows zu spielen, zehn glaub ich. Das meiste was wir in der Vergangenheit hatten waren fünf. Wir wollen einfach mehr von der Welt sehen!

CZ: Was haben eure Eltern über eure musikalischen Karrieren gedacht? Haben sie das einfach so hingenommen?

Fred: Glücklicherweise haben meine Eltern mich ziemlich unterstützt. Meine Mutter ist Musikerin, sie spielt Gitarre und singt und spielt Klavier, und sie ist bis zu einem gewissen Grad der Grund, dass ich das hier tu. Es gab einige Jahre in denen ich nicht so Erfolg hatte und in denen ich nicht wusste, was ich tun sollte.  Das war eine echt harte Zeit. Ich bin mir sicher, dass meine Eltern sehr erleichtert sind, dass das mit Taking Back Sunday passiert ist. Es gab eine ganze Reihe von Jahren in denen ich kaum in der Lage war mich zu ernähren, in denen ich Gitarrenunterricht gab und andere Jobs machte. Das waren harte Jahre, aber meine Eltern wissen, dass ich kaum etwas anderes machen kann, weil ich eben hierin gut bin und es nur lange genug versuchen musste. Sie waren echt toll.

CZ: Wie erging es euch nachdem ihr Victory verlassen habt und von Warner gesigned wurded?

Fred: Also, wir waren schon immer eine sehr unabhängige Band die einfach permanent auf Tour ist und davon gelebt hat, deshalb sehen wir da keine großen Änderungen. Das einzige, was sich wirklich verändert hat, ist ,dass wir jetzt mehr Unterstützung haben. Victory ist ein kleines Independent  Label, wir haben die nie auf unseren Shows gesehen, eigentlich haben wir sie kaum jemals gesehen. Die haben unsere Platte rausgebracht und alles andere haben wir selbst gemacht, haben zum Beispiel für alles selbst bezahlt. Das einzige was sich also verändert hat ist das Gefühl, jetzt einen Partner zu haben, um weiter zu kommen und alles zu erreichen, was wir uns vorgenommen haben. Warner schien einfach der beste Partner zu sein und sie sind tatsächlich sehr gut.

CZ: Glaubst du, dass Warner professioneller arbeitet?

Fred: Naja, ich würde sagen dass das Independent Label einfach kleiner war und... Also, ich möchte nichts schlechtes über sie sagen, aber es ist so, dass Warner viel größere Möglichkeiten hat, uns zu unterstützen. Selbst wenn wir Shows im Ausland spielen wie hier in Hamburg ist jemand von Warner da. Victory dagegen arbeitet nur in Amerika und ist dann eben auch nur auf den meisten Shows da. Es hilft uns auf jeden Fall zu erreichen was wir erreichen wollen und es macht es wesentlich einfacher.

CZ: Ok, dann lass uns über das neue Album 'Louder Now' reden. Ihr habt mit Eric Valentine zusammengearbeitet, der eigentlich dafür bekannt war, die Queens Of The Stone Age produziert zu haben. Hatte er einen Einfluss auf die Musik?

Fred: Ja! Diese Queens Of The Stones Age Platte war mit der Grund, dass wir dieses Album mit ihm machen wollten. Wir wollten mehr Rock in der Platte 'Louder Now' haben, und da wir Fans der Platte sind auf der Dave Grohl gespielt hat wollten wir einfach eine laute, live klingende Rock CD machen. Ich denke, dass Eric der beste Mann dafür war, und außerdem wollten wir schon vor Jahren mal mit ihm arbeiten, aber das war die erste Chance die wir gekriegt haben. Er konnte unsere Ideen sehr gut zusammentragen... Er hat ein bisschen wie ein Schiedsrichter arbeiten müssen, denn wenn wir Musik schreiben gibt jeder seinen eigenen Part dazu. Alle geben ihren Input dazu und das macht es schon manchmal ein bisschen schwierig. Eric war eine Art Trainer und Schiedsrichter, er hat geholfen aus unseren Ideen das meiste rauszuholen. Er hat uns auch ermahnt, wenn er mit etwas nicht zufrieden war. Weißt du, wenn du einen Song schreibst liebst du ihn, und dann möchtest du nicht hören dass das besser sein könnte. Du magst ihn einfach wie er ist.Da hat er uns wirklich gepusht und gesagt 'Diese Lyrics machen keinen Sinn, geh nach Hause und arbeite dran!'. Dann ist man eben gegangen und mit etwas Besserem wiedergekommen. Insofern hat er uns echt einen Level höher gebracht.

CZ: Ihr seid also selbst auch zufrieden mit der Platte?

Fred: Ja, sie ist genauso geworden wie wir sie haben wollten und es ist die Platte, auf die wir am stolzesten sind von denen, die wir bisher gemacht haben. Es hat das ganze Jahr 2005 gedauert um sie zu schreiben und aufzunehmen, wir haben uns also echt Zeit genommen im Vergleich zu den anderen beiden davor. Sie hat uns dem was wir wollen ein ganzes Stück näher gebracht und deshalb sind wir wirklich sehr stolz auf 'Louder Now'.

CZ: Mal abgesehen von eurer 'Arbeitszeit', wie war die Zeit im Studio?

Fred: Naja, wir sind aus New York, aber während der Zeit haben wir in L.A. gelebt. Das waren vier Monate. Ein paar von uns hatten tatsächlich eine tolle Zeit, sind an die Strände gefahren, haben sich mit Frauen getroffen und haben in Los Angeles einfach Spaß gehabt. Ich hab dagegen die ganze Zeit im Studio rumgehangen, 13 Stunden pro Tag, sechs oder sieben Tage die Woche. An meinen wenigen freien Tagen bin ich dann auch zum Strand gegangen zum Schwimmen. Aber die meiste Zeit in L.A. die ich wach war, hab ich im Studio verbracht . Ich arrangiere sehr gern herum, die Drums und der Bass müssen fertig sein, Eddie macht seine Rhythmus Tracks, und dann kümmere ich mich um die Arrangements und die Backgroundvocals. Und weil das ewig viel zeit braucht, musste ich eben die ganze Zeit mit Eric im Studio bleiben.

CZ: Auf 'Louder Now' spielt ihr sowohl härter als auch softer als auf früheren Alben. Der Grundton ist ruhig und emotional...

Fred: Hey, danke dass Du das gemerkt hast! Ja, wir haben versucht dynamischere Songs auf dieser Platte zu haben, das war das Wichtigste, an dem wir arbeiten wollten. Auch schon als wir diese Songs geschrieben haben, haben wir kritisch auf die anderen Alben zurück geblickt und versucht, bessere Songs zu machen. Nachdem wir 20 Songs fertig hatten und die aufgenommen waren, haben wir dann gemerkt dass diese vor allem heftige und laute Rocksongs waren. Wir haben schon da gemerkt, dass wir uns verändert hatten, aber mit den Vocals klang es trotzdem noch nach Taking Back Sunday. Die waren so heftig, dass wir gleich noch ein paar softere Songs eingebaut haben um ein Gleichgewicht zu schaffen. Wir hatten vorher zwar auch schon Rocksongs, aber zB der Song 'Liar' oder 'Spin' sind die schnellsten Songs die wir jemals geschrieben haben. 'Miami' dagegen hat nicht viel von einem Rocksong. Was wir auf dieser Platte versucht haben ist nicht elf Songs zu schreiben die alle gleich klingen, sondern haben ein bisschen mit den Sounds gespielt und versucht, verschiedene Songs zu gestalten.

CZ: Dann lass uns über einen bestimmten Song sprechen, nämlich 'Error: Operator', auf dem ihr einen Decoder benutzt habt.

Fred: Die paar Zeilen die Adam in der Mitte singt 'Murderer, where have you been...', die haben wir über einen anderen Part gesungen und das klang dann wie ein Vocoder Effekt. Ich hab ja die Demos produziert, und weil es cool klang hab ich es mit raufgepackt. Als wir das Ganze dann richtig aufnahmen haben wir das mit dem Vocoder nochmal versucht und es hat funktioniert. Es klingt einfach anders als andere Bands in unserem Genre.Das ist auch einer meiner Lieblingssongs.

CZ: Außerdem habt ihr auf 'Error: Operator' ein Gitarrensolo eingefügt!

Fred: Ich bin damit aufgewachsen, Rockgitarre zu spielen, also haben wir versucht etwas davon reinzuschmuggeln. Es gibt zwei oder drei Stellen auf der Platte, wo die Gitarre sehr heraussticht und ein Solo spielt. Ich könnte davon die ganze Cd vollpacken, aber es muss ja reinpassen da wo es ist. Es war meine Entscheidung, weil ich das Solo spiele, aber zuviel davon würden die anderen vier nicht mehr mögen. Das geht leider nicht alles so wie ich will.

CZ: In dem Video zu 'Make Damn Sure' sieht man Polizisten, Kriegsbilder, jagende Tiere und spielende Kinder bunt durcheinander gemischt. Steckt dahinter eine besndere Intention?

Fred: Die Idee hinter dem 'Make Damn Sure' Video war Szenen zu zeigen, die wie Katastrophen und einem üblen Ende von allem wirken. Dann aber werden diese Bilder zu sehr schönen Dingen, wie die Hundertschaft mit dem Wasserwerfer, die zu einer Frau wird die ihre Blumen gießt. Die Idee war dass viele Leute etwas verteufeln bevor sie wirklich darüber Bescheid wissen. Dann aber müssen sie aber erkennen, dass es zu etwas Gutem geworden ist das sie nicht erwartet hätten. Wir waren der Meinung, dass dieses Konzept sich gut mit den Lyrics verträgt  und deshalb haben wir uns schließlich dafür entschieden.

CZ: Was für Leute wollt ihr mit eurer Musik und euren Texten erreichen?

Fred: Wir möchten alle erreichen! Es gibt niemanden, den wir von Taking Back Sunday ausschließen wollen. Niemand auf der Welt ist besser als jemand anderes, und wenn ein Siebzigjähriger auf unsere Show möchte... Hey, stellt ihn in die erste Reihe, tut ihm nur nicht zu sehr weh! Nein, wir heißen wirklich jeden willkommen, wir sagen nicht, dass man besonders aussehen muss oder an etwas bestimmtes glauben muss. Wir sind ja selbst sehr verschieden und müssen somit auch jeden anderen akzeptieren.

CZ: Ich weiß nicht, ob Du der Richtige bist um das zu fragen, aber wenn ich mir eure Lyrics so ansehe weiß ich nie, ob ich sie jetzt für oberflächlich oder nachdenklich halten soll!

Fred: Also, Adam und ich schreiben die Texte zusammen und wir haben sehr verschiedene Schreibstile. Ich denke, dass ich eher auf eine traditionelle Art schreibe, versuche Geschichten zu erzählen und dem Ganzen eine Bedeutung zu geben. Adams Lyrics scheinen dagegen eher ein stetiger Gedankenstrom zu sein, so als würde es aus ihm herausbrechen und er muss es so schnell wie möglich aufschreiben. Er benutzt meistens Wörter, die cooler klingen als das was ich schreibe. Ich kümmere mich eben eher um die Bedeutung, während er da künstlerischer rangeht. Deshalb klingen seine Texte manchmal sprunghaft und mein Job ist es dann, sie zusammenzufügen. Er kümmert sich im Gegenzug um meine Zeilen und versucht, sie interessanter klingen zu lassen. Das ist ganz gut ausbalanciert, es gibt  eine traditionelle und eine wilde Seite, und zusammen ergibt das ein eigenes Bild.

CZ: Ich hab von einem Gig in einem Club namens Chain Reaction in Anaheim/Niederlande gehört, wo jeder der 150 anwesenden Fans die Lyrics des neuen Albums auswendig kannte - stimmt das?

Fred: Das wirklich verrückte war, dass die Kids die Lyrics kannten obwohl die Platte den Tag erst rausgekommen war! Wir dachten, dass sie einige kennen würden, weil die im Internet waren, aber doch nicht alle! Die müssen die sofort und ständig gehört haben...  Das hat uns echt weggeblasen! Es gab Momente, in denen wir das Mikro nicht brauchten weil so viele Kids mitgesungen haben. Es gibt nichts, was sich besser als das anfühlt. Es war einfach unglaublich.

CZ: Wie wichtig sind eure Fans für euch und wie erhaltet ihr die Verbindung zu ihnen aufrecht?

Fred: Wir sagen gerne, dass es keinen Unterschied gibt zwischen dem, was auf der Bühne passiert und dem, was davor geschieht. Es ist fast wie eine große Party, und wenn die Kids daran nicht soviel Spaß haben wie wir haben wir wohl einen schlechten Job gemacht. Dann macht es uns auch keinen Spaß mehr. Deshalb ist Adam ständig vorne bei den Leuten, singt mit jedem zusammen und versucht auch, viel Blickkontakt zu haben. Die Leute die einfach da sind und Spaß haben sind ein so großer Teil von dem was wir tun. Das ist auch der Grund, weshalb wir soviel Wert darauf legen rauszugehen und sie zu treffen. Wir sehen uns nicht als irgendwer auf der Bühne, sondern als ein Teil der Leute die alle in dem Club sind und das gleiche Erlebnis haben.

CZ: Das wars, ich danke Dir!