
CZ:
Hey! Wie läuft Eure Tour und wie kommt ihr mit Raised Fist klar?
Zoli:
Also, das hier ist die erste Show und die haben ja noch nicht mal gespielt. Aber
ich mag deren Platten, ich denke dass sie sehr gut sind. Wir mögen die alle,
unser Gitarrist Adam hat sie vor vier Jahren schon mal gesehen und meinte, dass
sie einfach nur cool sind. Und jetzt sehen wir Raised Fist alle mal und das ist
gut für uns, eine großartige Möglichkeit diese Tour zu machen. Das bringt uns
vielleicht einem anderem Publikum näher was das Ganze für uns zu einem
Experiment macht, wenn wir vor anderen Kids spielen. Außerdem sind Raised Fist
auf einem viel größerem Label, weshalb wir die Tour in einem Riesenbus machen
können und ähnliches. Wie gesagt, das hier ist die erste Show, aber es scheint
eine tolle Tour zu werden.
CZ:
Was war die Idee hinter 'Kingdom Of The Dead'?
Zoli:
Ja, das war ja ne EP, obwohl es eigentlich eine Split CD werden sollte mit einer
Hardcoreband aus Kalifornien. Da spielen unter anderem der Sänger von
Disapproval und der Gitarrist von Outspoken. Und mit denen wollten wir halt
diese Split machen und hatten auch schon drei Songs geschrieben, aber dann hat
das doch nicht geklappt. Wir dachten, dass diese Songs echt gut wären und haben
dann ein Intro gemacht, einen älteren Song von meiner ersten Platte aufgenommen
und sogar eine Opernsängerin engagiert. Sie ist eine Freundin von Adam, unserem
Gitarristen, und die Leute waren davon ziemlich geschockt, weil sie glaubten wir
würden jetzt total kommerziell werden. So wie Nightwish oder so, aber das war
gar nicht das, was wir wollten. Wir waren der Meinung dass wir, auch wenn wir
ziemlich viel Metal spielen, eine Hardcoreband sind. Trotzdem waren die Songs
cool, niemand hatte so etwas bisher versucht, wir haben jemand bei den Aufnahmen
eingebunden der kein Mitglied der Band ist. Das haben wir schon bei unserer
ersten Platte gemacht, mit Greg Benneck, der Sänger von Trial, und so hat sich
die jetzige Platte auch für die Stimme des Mädchens geöffnet. Es war wie ein
Experiment. Etwas, was ich normalerweise nicht tun würde weil ich solche Musik
einfach nicht mag, Aber für eine Fünf-Song-EP ist es ziemlich cool.
CZ:
Was hat es mit dem „Will You Rewrite History With Me“ Cover auf sich? Und
warum ist der Song auch auf eurer EP zu finden?
Zoli:
Oh, das ist weil wir die Sängerin hatten. Sie kann einfach besser singen als
ich und auch besser als Adam. Wir hatten die melodischen Vocals auf der ersten
Version des Songs gesungen. Wir dachten uns dann, wenn sie in dem Intro singt
und in einem Song, dann könnten wir sie auch die melodischen Vocals in diesem
Song singen lassen. Also haben wir den Song etwas umgeschrieben und den
Gitarrenpart dazu gesetzt. Deshalb ist der Song überhaupt nochmal drauf
gekommen, weil das mit der Stimme des Mädschens einfach gut klang.
CZ:
Ihr habt eine Menge Keyboardsamples im Intro von „Kingdom Of The Dead“, dem
Song selbst und „Will You Rewrite History With Me“. Warum das und wird euer
neues Album ähnlich klingen?
Zoli:
Nein. Das war wie gesagt nur ein Experiment. Wir dachten das Intro wäre eine
gute Idee mit den Keyboards und so, weil wir die auf unserer ersten Platte nicht
hatten. Für die neue Platte haben wir die melodischen Vocals auf Null zurückgesetzt,
weil wir das Gefühl hatten dass im Moment sehr viel kommerzieller Mist mit
solcher Musik gemacht wird. Wie Metalcore, das ist so ein negatives Wort
geworden, weil es dabei um neuen Metal geht. Wie Korn und Slipknot vor sechs
Jahren, so ist es jetzt mit Metalcore. Wir denken schon, dass wir auch Metal mit
Hardcore mixen, aber eigentlich sind wir alle Hardcorekids. Und jeder der eine
unserer Shows sieht wird merken, dass wir keine Metalband sind. Und wann immer
wir denken dass ein Song Keyboards braucht und ein Intro oder so, dann machen
wir das halt. Wir wollen uns da nicht endgültig auf etwas festlegen.
CZ:
Eure wichtigsten Soundelemente sind eure Gitarren, Tempo und euer einzigartiger
Sound – welche
Zoli:
Einflüsse kommen von überall her. Ich persönlich bin nicht so in die
musikalischen Prozesse eingebunden weil das Adams Fachgebiet ist und er die
Songs schreibt. Wie man in der Musik hören kann sind es vor allem Metal und
Hardcore, schwedische Metalbands wie At The Gates, Dismember, In Flames und
genauso Hardcorebands wie Shai Hulud und so. Gerade für jemanden wie mich der
versucht etwas aus den Texten zu entnehmen sind Bands wie Trial oder Catharsis
eine persönliche Inspiration. Wir alle mögen Bands, die ihren Texten einen
Sinn geben. Gerade Shai Hulud haben das Gesicht des Hardcore merklich verändert.
CZ:
Du hast ein paar Vocals für The Blackout Argument auf deren Song „So Much You
And Me“ gemacht –
Zoli:
nein, ds war egentlich nur unsere erste Aufnahme mit Chris von Let It Burn
Records. Er spielt auch Gitarre bei The Blackout Argument und hat mich gefragt,
ob ich nicht ein paar Guestvocals für ihn machen möchte. Als wir dann im
letzten Dezember in München gespielt haben war ich ziemlich fertig, bin aber
trotzdem noch Ins Studio gegangen – das muss so um vier oder fünf Uhr morgens
gewesen sein – und habe diesen Song aufgenommen. Er hat mir wirklich gefallen
und außerdem sind wir Freunde! Und es hat Spaß gemacht, es macht mir immer Spaß
auch für andere Bands zu singen.
CZ:
Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit dem Sänger von Trail? Kannst Du uns was über
die Reunion Show in Budapest erzählen?
Zoli:
Wow, das war unbeschreiblich! Bei der Show hab ich echt geheult weil es einfach
nur toll war! Als Trial das erste Mal in Budapest gespielt haben, so im November
'99, war ich ein verzweifelter Teenager der für ein paar Jahre Hardcore gemocht
hatte und auch schon ein paar coole Bands gesehen hatte. Und dann kamen Trial.
Die waren irgendwie anders, die waren einfach so cool mit sehr guter Musik, sehr
guten Leuten mit denen wir noch immer befreundet sind. Wir lieben diese Jungs,
und ich habe mit ihnen über eine Reunionshow gesprochen und es wurde toll, die
Show war komplett ausverkauft und die Kids kamen aus ganz Europa um sie zu
sehen. Das war eine Show von der ich denke dass nichts im Hardcore sie überbieten
könnte. Hardcore ist so lahm geworden und so klischeehaft. Diese Show dagegen
hat sehr vielen Leuten sehr viel bedeutet und es war toll, ein Teil davon zu
sein. An diese Show zu denken erinnert mich daran, dass ich Hardcore liebe und
froh bin, ein Teil dieser Subkultur zu sein. Diese Show 2005 war nicht anders
als die in den späten Neunzigern, es war die selbe Atmosphäre als noch einige
Jahre zuvor. Es war, als würde Hardcore auf einmal wieder einen Sinn haben.
CZ:
Demnach ist Hardcore mehr für Euch als ein Musikstil?
Zoli:
Natürlich ist es mehr als Musik! Es ist auch ein Lebensstil, man beschäftigt
sich mit den Dingen die passieren, man hat eine Einstellung, es geht darum dass
man selbst nachdenkt. Und auch darum, eine schöne Zeit zu haben. Nicht so sehr
irgendetwas darzustellen, ich werde jetzt älter, nicht mehr so als wäre ich
noch achtzehn. Aber ich denke, dass jemand der Hardcore hört eine andere Sicht
auf die Dinge hat und sich anders und meiner Meinung nach besser mit ihnen
auseinander setzt. Ich finde es tatsächlich besser wenn jemand nachdenkt und
sich bildet und Teil einer vielfältigen Kultur wie Hardcore ist, was nicht der
Fall war, als ich noch zwölf war. Da mochte ich diese Musik zwar auch schon,
aber noch auf eine eher sinnlose Art. Ich denke dass jeder, der Hardcore hört,
dies aus einem bestimmten Grund tut. Als ich älter wurde, habe ich mich verändert
und wollte vor allem eine schöne Zeit haben und offen für alles zu sein.
CZ:
Kannst Du mir vielleicht etwas über die Titel Eurer Songs erzählen, z.B. über
„Deathrace With Dimension Four“ oder „Paper Bags And Plastic Cups“?
Zoli:
Ah ja, „Deathrace With Dimension Four“! Die vierte Dimension ist die
Zeit, also ist es ein Deathrace mit der Zeit. Die Leute haben einfach immer das
Bedürfnis auf ihre Uhren zu schauen und sich zu hetzen weil sie ja noch dieses
und jenes tun müssen. Sie rennen nur noch durch ihr Leben weil sie zu
bestimmten Zeiten etwas bestimmten tun müssen. Dennoch wird die Zeit immer
gewinnen, ein Tag hat schließlich nur vierundzwanzig Stunden und nicht vierzig.
Dann schränkt man auch noch seine eigene Freiheit ein und Dinge tut die man
nicht tun will, sodass die Zeit sehr knapp und wertvoll wird, worum es in diesem
Song geht. Denn wir sind nun einmal sterblich und haben nicht unendlich viel
Zeit.
„Paper
Bags And Plastic Cups“ dagegen ist ein Song über Massenkonsum. Ich denke,
dass jeder irgendwie ein Teil davon ist, es ist überall einfach eine große
Versuchung, man sieht diese riesigen Gebäude mit Werbetafeln und Lichtern und
so weiter. Das ist alles miteinander verbunden und packt den Menschen förmlich
ein. Man kann sein Glück praktisch überall kaufen wenn man nur in eine
Shoppingpassage geht. Alles ist wie ein riesiger Kasten, in dem man lebt, läuft,
arbeitet und das immer und immer wieder. Als ich diesen Song schrieb, saß ich
in einem schäbigen Büro und fand einfach alles nur noch scheiße. Ich habe
mich danach gesehnt, eine Pause davon zu haben und auf meine Art habe ich mein
eigenes Leben gelebt. Damit will ich jetzt nicht sagen, dass ich ein Heiliger
ohne jeden Makel bin, aber immerhin stelle ich ein paar Dinge in Frage und
versuche mein Leben nicht komplett weg zu werfen.
CZ:
Und wie ist es mit dem letzten Song „Goteborg“, bezieht der sich auf die
schwedische Metalszene?
Zoli:
Ja, das ist ein Tribute-Song. Adam hat mal einen Song geschrieben, der anders
war als die anderen. Wir dachten aber, dass er trotzdem auf der Platte sein
sollte weil wir ihn mochte, aber er war ja immer noch so unpassend. Wir haben
die Gitarren runter gestimmt für den Song, Adam singt darauf, unser alter
Drummer flüstert und ein Freund von uns ist für das Kreischen und Schreien
verantwortlich. Unser Drummer hatte dann noch ein paar dumme Lyrics übrig, die
wir dann auf diesen Song gepackt haben. So kam unser Tribute an Göteborg auf
die Platte. Das ist einerseits lustig, hat für uns aber auch Bedeutung, weil es
zwar wichtig ist etwas ernsthaftes im Hardcore zu sehen, aber nicht zu ernst zu
werden. Also haben wir dem Ernst der Sache eine Pause gegeben und diesen Song
auf die Platte genommen.
CZ:
Ihr habt also einen neuen Drummer?
Zoli:
Ja, ich liebe den Typen! Er ist aber nicht sooo neu, unser eigentlicher Drummer
Tom schreibt nur grad an seiner Diplomarbeit und hat ein paar wichtige Examen
vor sich, was auf Dauer dann zu viel für ihn wurde. Balazs sollte eigentlich
nur für die letzte Woche dieser Tour spielen, aber wir haben ihn dann für die
ganze Tour mitgenommen. Er hatte nur drei Proben um die Songs zu lernen und er
hat es tatsächlich geschafft! Letzte Nacht klang das noch komisch, aber heute
Abend war es echt gut. Ich war echt beeindruckt. Es ist wie mit unserem
Gitarristen, der musste arbeiten, also suchten wir einen neuen. Der ist noch
ziemlich jung und wir kannten ihn auch kaum, und dann auch noch ein neuer
Drummer... Ich hatte ziemlich Angst, schließlich sind wir eine Band mit fester
Besetzung, aber trotz der neuen Leute schaffen wir es noch immer, life die Sau
raus zu lassen! Es gibt absolut keinen Grund, wegen irgendetwas besorgt zu sein.
CZ:
Um auf Euer neues Album zu kommen: Wird es anders klingen als Eure früheren
Platten?
Zoli:
Ja, es ist anders als „Kingdom“ („Kingdom Of The Dead“, Anm, d. Verf.)
und „Bitterness“ („Of Bitterness And Hope“, Anm. d. Verf.), es heißt
„Where Nightmares And Dreams Unite“ und es geht um das was ich vorhin schon
erwähnt hatte, dass man Dinge aus einem bestimmten Grund tut. Wir sind Träumer,
und fast die gesamte Welt um uns herum versucht unsere Träume vor zu fertigen.
Musikalisch
dagegen ist es einfach nur ein Schritt nach vorn. Meiner Meinung nach ist es
brutaler und wütender, es hat keine melodischen Vocals und ist echt schnell.
Ich mag die neue Platte und bin total stolz darauf, es ist mit das Beste was ich
jemals gemacht habe. Sie wird auf GSR erscheinen, unserem neuen Label. Das ist
unsere erste Platte mit denen und die sind echt nett zu uns gewesen und waren
sehr professionell, sodass wir uns ganz auf die Musik konzentrieren konnten. Ich
freue mich schon darauf endlich diese CD in den Händen halten zu können.
CZ:
Das hört sich so an, als wären die Texte nicht gerade unbedeutend für Dich. Möchtest
Du, dass die Leute sie lesen und darüber nachdenken?
Zoli:
Ich möchte auf jeden Fall, dass die Leute meine Texte lesen und darüber
nachdenken! Weißt Du, vor Bridge To Solace hatte ich eine Band -Newborn – und
die hatten so eine Art Status als DIE Hardcoreband aus Ungarn und wir haben eine
Split mit Catharsis gemacht und mit denen getourt und Catharsis waren sehr
politisch. Ich war zu der Zeit halt noch jünger und habe auch viel herum
gepredigt und den Leuten gesagt was sie tun sollen. In diesem Album geht es
dagegen vor allem darum, für sich selbst zu denken und um Geschichten, die mir
im Leben so passiert sind und die jedem passieren können. Die Leute können
sich damit identifizieren, was ich sehr wichtig fand. Ich rede auch nicht mehr
so viel zwischen den Songs wie ich es früher getan habe und kann die Show so
viel energetischer gestalten. Trotzdem glaube ich, dass der Inhalt genauso
wichtig wie die Musik ist und dass man über Dinge schreiben sollte, die den
Menschen etwas bedeuten. Wenn dann jemand zu mir kommt und sagt dass er meine
Lyrics gelesen hätte und dass das etwas bei ihm verändert hätte kann ich
dennoch nur zu ihm sagen, wie toll das zwar ist, es mir aber vor allem darum
geht nicht aufhören zu können Musik zu machen und den Menschen etwas zu geben.
Es geht mir darum, Zeichen zu hinterlassen.
CZ:
Hier in Deutschland wissen die Leute nicht viel über die Musikszene in Ungarn,
kannst Du mir etwas darüber erzählen?
Zoli:
Oh, die ist ziemlich cool! Ich mag sie, und es gibt guten Dance! Naja, es gibt
schon ein paar gute Bands, die Budapester Szene ist ziemlich groß und da gibt
es auch Bands die in Deutschland touren. Es gibt einfach so viele... Nicht nur
im Hardcore, wir sind auch mit anderen Subkulturen verbunden und deshalb eben
auch mit Metalbands befreundet. Es gibt viele gute Bands und die Leute sollten
definitiv ein Auge auf Ungarn haben. Z.B auf Casket Garden, die sind sehr gut...
Vergleichbar mit At The Gates oder The Haunted. Ich bin wirklich stolz aus die
ungarische Szene, auch wenn viele Bands nicht über Ungarn herauskommen. Aber
vielleicht ändert sich das ja mal!
CZ:
Gibt es ein Ziel, dass Du mit Bridge To Solace erreichen möchtest?
Zoli:
Gute Platten machen und arschtretende Shows zu spielen. Das ist alles was ich möchte.
Vielleicht noch mit Menschen reden zu können, überhaupt Menschen kenne lernen
können.
CZ:
Wie sieht es denn mit einer Newborn Reunion aus?
Zoli:
Hm, also es ist wirklich schön dass die Jungs noch miteinander reden, aber ich
glaube von einer Reunion sind wir weit entfernt.
Als ich vor zwei Jahren mal nachgefragt habe, haben vier von fünf
Mitgliedern „ja“ gesagt, aber einer mochte leider nicht. Und weil Newborn
nun einmal Newborn sind, so wie sie waren und so wie wir aufgehört haben, wird
eine neue Show nur mit dem originalen Line Up stattfinden. Das Schulden wir wohl
unsere Freunden und Familien. Es gab zwar Freunde die uns Auftritte auf
Festivals angeboten hatten, aber das wird wenn dann wirklich nur im originalen
Line Up stattfinden.
CZ:
Letzte Frage – welche Pläne habt Ihr für Eure Zukunft?
Zoli:
Eine schöne Zeit mit der Band haben, das ist schon alles. Unsere neue Platte
kommt ja bald raus und wir hoffen, dass sie auch in den USA erscheinen wird und
wir dort touren können. Das wäre zumindest für mich wichtig, schon allein
weil ich denke dass das, was wir gerade tun, anfängt groß zu werden und auch
dass meine Band gut und einzigartig genug ist um ihren Teil ab zu bekommen. Das
heißt, dass wir noch mehr Orte besuchen können, noch mehr Leute kennen lernen
können und auch unsere Message mehr Leuten zugänglich machen können. Dazu möchte
ich nur touren, touren, touren und Platten raus bringen, solange ich noch in der
Das
wars – ich danke Dir für das Interview!