
Zurück mit einem Interview mit Hollands neuen Shooting Stars Malkovich, die gerade im September 2004 ihr Debut „A Criminal Record“ auf Reflections Records veröffentlicht haben und jetzt zusammen mit Modern Life is War durch Europa touren. Doch bevor ich anfange, möchte ich mich bei Jovka bedanken, der sowohl dieses Interview als auch das Modern Life is War Interview vermittelt hat.
Florian: Hallo zusammen, könnt ihr euch bitte kurz unseren Lesern vorstellen.
Thomas: Natürlich, ich mache das alphabetisch. Zuerst ist da unser Sänger und Gewinner des holländischen Axl Rose Doppelgängerwettbewerbes von 1996, Hugo. Er kam 2002 in die Band als unser damaliger Gitarrist sich gezwungen sah, die Band zu verlassen. Dann ist da Josha (Schlagzeug), Mark (hat früher gesungen, heute macht er, was er am besten kann: Gitarre spielen) und Miriam (Bass). Wir sind Komplizen bei Untaten und Matheaufgaben seid einer Ewigkeit. Zum Schluss bin da noch ich, Thomas, ich spiele auch Gitarre.
Florian: In den letzten Monaten, vor Allem nach dem Release eures Albums „A Criminal Record“ habt ihr einen ziemlichen Sprung in die Ohren der gesamten europäischen Hardcore Szene gemacht. Die Band hingegen hat vorher schon ziemlich lange existiert und war in den Niederlanden schon ziemlich populär. Was glaubt ihr, wie dieser Schub zustande kam?
Thomas: „A Criminal Record“ ist unser erstes richtiges Album in den vier Jahren, die es die Band schon gibt. Es ist glaube ich ziemlich schwer, die Welt mit Eps zu erobern; ich denke, das ist sicher ein Grund. Dann hilft es natürlich ungemein, die Unterstützung von Reflections Records zu haben. Sie erreichen viele Kids, und mit ihnen zu arbeiten hat sicherlich dazu beigetragen, die Band ausserhalb der Niederlande bekannt zu machen.
Florian: Wie hat sich euer persönliches Leben angesichts der zahlreichen Shows und Konzerte verändert?
Thomas: Malkovich ist der absolut wichtigste und zeitaufwendigste Teil meines Lebens. Obwohl ich nicht glaube, dass meine Band besonders populär oder erfolgreich ist, habe ich mir niemals träumen lassen, in einer Band zu spielen, die mal so beachtet wird. Für mich persönlich ist es ein Traum, der wahr wird und ich bin sehr glücklich, dass wir jetzt diese Möglichkeiten haben.
Florian: Was erwartet ihr von den Shows in anderen europäischen Ländern?
Thomas: Du kannst nie wissen, wie diese Shows laufen. Sie können total verrückt sein, mit Kids, die die Texte mitsingen, tanzen und Stage-diven. Genauso kann es aber passieren, dass sie unsere Band nicht kennen und nur dastehen und gucken. Wir erwarten nie zuviel, wenn wir auf Tour sind, deswegen ist es für uns immer eine angenehme Überraschung zu sehen, wenn das Publikum von uns bewegt ist.
Florian: Ihr habt eure erste 12“ ganz alleine veröffentlicht. War das viel Arbeit? Wir kamt ihr zu den Verträgen erst mit Coalition, jetzt mit Reflections?
Also die 12“ war keine Bandleistung. Miriam hat sie mit ein bisschen Hilfe von einem Freund von uns veröffentlicht. Es ist wirklich viel Arbeit, alles selber zu machen und wir haben nach den Aufnahmen über ein Jahr gebraucht, die Platte rauszubringen. Als wir mit den Aufnahmen zu „the Foundation rocks“ im Frühjahr 2003 fertig waren, haben wir einige Labels kontaktiert, und glücklicherweise hatten Coalition Records (mit denen wir schon seit längerem befreundet waren) Interesse, uns zu helfen. Nach der Veröffentlichung der EP im September 2003 spielten wir einige größere Gigs und zogen so die Aufmerksamkeit von Reflections auf uns, und stehen nun auf ihrer Liste. So läuft das.
Florian: Viele Hardcore Bands aus den Niederlanden waren oder sind politisch motiviert (ich denke an Man Lifting Banner, Feeding the Fire, Cathode oder Seein Red). Würdet ihr Malkovich in dieser Tradition auch als politische Band bezeichnen? In wie fern?
Thomas: Ich betrachte Malkovich als politische Band, aber nicht in der Tradition dieser Bands. Wir sind nicht die Art Band, die auf der Bühne predigt oder politische Parolen in ihren Texten hat. Trotzdem behandeln die meisten unserer Texte soziale und politische Themen und diese sind sehr wichtig für uns.
Florian: Wie habt ihr die politische Situation in den Niederlanden im letzten Sommer nach dem Mord an dem umstrittenen Regisseur Theo van Gogh erlebt?
Thomas: Es war erschreckend. Dieser Mord führte in unserem Land zu einer starken Polarisierung. Theo van Gogh wurde wie ein Märtyrer behandelt, der für die Redefreiheit gestorben ist und von Muslimen getötet wurde. Ich konnte damit nichts anfangen. Danach wurden muslimische und islamische Schulen angezündet. Die Reaktionen der Menschen und der Politiker auf diesen Mord waren lächerlich und haben dem Land nicht gut getan. Jetzt, 3 Monate später, haben sich die Leute wieder beruhigt und alles scheint wieder seinen normalen Gang zu gehen.
Florian: Zurück zu eurem Album! Eure Pläne beinhalten „ein US Label zu finden, um das Album in Nordamerika zu veröffentlichen“ und „eine US Tour zu machen“ (Biographie auf www.iammalkovich.com). Habt ihr schon irgendwelche Kommentare aus den USA auf „A Criminal Record“ erhalten?
Thomas: Mir wurde gesagt, dass unser Album in den Staaten ziemlich gut ankommt, und die Reaktionen, die wir selbst bekommen waren auch durchweg positiv. Wir wurden eingeladne, beim CMJ Marathon in New York im Oktober zu spielen, deswegen werden wir die Tourpläne wahrscheinlich bis zum Oktober aufschieben. Wir sind sehr gespannt, in den USA herauszufinden, was die Leute wirklich von der Band halten.
Florian: Die letzte Frage wäre: Warum haben alle eure Tracks Zahlen als Namen?
Thomas: als wir anfingen, Songs zu machen, haben wir sie nach der Reihenfolge benannt, in der wir sie schrieben. Als wir sie dann benennen sollten, fiel uns einfach nichts passendes ein. Für uns ist das keine große Sache, aber scheinbar für den Rest der Welt.
Florian: Vielen Dank für eure Zeit und die besten Wünsche für eure Pläne.
Thomas: Vielen Dank dir, Florian, für dieses Interview.